Facebook-Mädel (Markus)

Wer Facebook mit Skepsis betrachtet, weil er Angst hat, persönliche Informationen und Vorlieben könnten bei der Krankenkasse oder dem Arbeitgeber landen, der sollte sich lieber keine Kinder anschaffen. Oder besser gesagt: Er sollte sein vier- bis fünfjähriges Kind im Zug, im Wartezimmer beim Arzt oder im Bürgeramt nicht aus den Augen verlieren. Eine neugierige und mitteilsame Tochter – wie unsere – verrät unter Umständen mehr über einen als jede Social-Media-Plattform. Helene, die eigentlich Kinderfrau werden will, aber nicht weiß, wie schlecht der Beruf bezahlt ist, macht sich derzeit gut als redseliger Spitzel: Im Zug hält sie sich bevorzugt dort auf, wo Menschen miteinander plaudern oder laut ins Handy sprechen. Was sie erfährt, ist höchst interessant. Neulich zum Beispiel berichtete sie uns von einer älteren Frau, die auf dem Weg von Hamburg nach Düsseldorf war, um sich dort in einem Spezialklinikum ihren Magen untersuchen zu lassen. “Ist wohl sehr schlimm”, urteilte Helene, nachdem sie gelauscht hatte und – das muss man dazu sagen – die Frau ihre Fragen (“Wo fährts Du hin?”, “Was machst Du da?”, “Bist Du krank?”, Wo tuts Dir weh?”) ausgesprochen offen beantwortet hatte.

Nun war der Preis, den Helene zahlte, um an die Informationen zu gelangen, sehr hoch: Sie gab nämlich bereitwillig Auskunft über UNS. “Ich heiße Helene und das sind meine Brüder Paul und Franz. Sie sind beide zwei Jahre alt, weil sie Zwillinge sind. Wir wohnen in Berlin, in der Soundsostraße, Nummer soundso. Wir waren bei Oma Mecki und Opa Hubert und jetzt fahren wir zu Oma und Opa Hasenbüchel. Mama fährt zur Uni, dann passt Oma auf uns auf, Papa muss wieder arbeiten.” Undosweiterundsofort. Nur gut, dass Helene noch keinen Facebook-Account hat.

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Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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