Sich in Prenzlauer Berg (und vor allem im Ostteil der Stadt) Tattoos stechen zu lassen, ist überhaupt kein Problem. In fast allen Straßen gibts kleine oder größere so genannte Studios, in denen die Berliner für ein Monatseinkommen Hartz IV hübsche Kampfhund-Motive für Hals, Arm oder Unterschenkel bekommen. Was Papa hat, hätte Klein-Kevin-Marlon natürlich auch gern. Bislang musste er sich mit einem Selbstklebe-Tattoo begnügen (dummerweise waren das meistens Prinzessinnen-Motive), das spätestens nach dem dritten Bad in der Wanne schon wieder futsch war. Jetzt gibts Hoffnung. Ein Plakat weist auf die baldige Eröffnung eines Kinder-Tattoo-Studios “in Ihrer Nähe” hin. Geworben wird mit “sanftem Stechen”. Tut also nicht weh, oder nur ein bisschen. Aber gehört Schmerz nicht irgendwie dazu?
Doch zu früh gefreut, kleine Cheyenne-Monique! Wer die angebene Telefonnummer wählt, um schon mal einen Termin zu machen, landet – im Nichts. Hier war ein echter Künstler am Werk, kein Tattoo-Stecher. Das Plakat, das an mehreren Trafohäuschen im Bezirk hängt, ist eine gelungene Provokation. Aufgeregt echauffierten sich neulich zwei Mütter mit Kinderwagen über den Inhalt. Ihnen war nicht klar, dass es den Laden nie geben wird. Wobei: Spätestens jetzt sollte sich doch jemand finden, der Kindern echte Tattoos macht, oder? Preis? Ein monatliches Kindergeld plus Mehrwertsteuer!
Jaja, unsere Künstler. Und das Geschäft macht der zweite.