Herdprämie (Markus)

Wir versuchen, es nicht persönlich zu nehmen, dass kein Kindergarten unsere Kinder will. Schließlich kennen wir das aus Prenzlauer Berg. Es gibt einfach zu viele Kinder in Deutschland! Frühestens im Sommer 2013 seien wieder Plätze frei, teilte uns die Elterninitiative “Erdmännchen” mit. Ähnliches hörten wir im “Regenbogen” und bei den “Zipfelzwergen”. Und der katholische Kindergarten St. Hildegund würde zwar eventuell Vorschulkind Helene aufnehmen, aber Franz und Paul – keine Plätze, keine Chance.

Na, dann eben die Herdprämie! 150 Euro für jedes Kind, das unfreiwillig zuhause bleibt. Gut, unsere Drei sind drei Jahre und älter und damit gehören wir eigentlich nicht mehr zur Zielgruppe der Betreuungsgeldberechtigten. Aber für derart schwere Fälle, wie wir sie darstellen, könnte man die “Ich-bleib-bei-Mama-und-Papa”-Prämie doch einfach ausbauen. Ich wüsste auch schon, was ich mir für das Geld kaufen würde…

Eigentlich ist das doch eine prima Sache: Geld für etwas bekommen, was man nicht macht. Seine Kinder nämlich nicht in die Kita schicken.

Ich bin Nichtraucher, Nichtjogger, Nichtsäufer, Nichtcomputerspieler, Nichtmotorradfahrer und Nichtvielflieger. Damit entlaste ich die Krankenkasse, die Unfallkasse, schone die Umwelt und andere Verkehrsteilnehmer. Ich finde, dafür sollte es Prämien geben. 150 Euro für jede Form des Nichtstun. Dass ich keinen Ausdauersport betreibe, könnte man mir jetzt streng genommen auch als gesundheitsschädlich auslegen, aber dafür sitze nicht nächtelang vor dem Rechner und esse Pizza. Das hebt sich also wieder auf. Für die Kombi Nichtjoggen und Nichtcomputerspielen gäbe es dann also zusammen vielleicht 75 Euro. Und wenn ich dem Bundesministerium für Herdprämien und Nichtstuer dann noch versichere, dass ich meine Kinder auch nicht in die Schule schicke, ja, dann könnten die 75 Euro doch eigentlich wieder auf 150 Euro je Kind erhöht werden.

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Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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4 Antworten zu Herdprämie (Markus)

  1. Lichtecho schreibt:

    Sehr schön die Problematik auf den Punkt gebracht. Das Betreuungsgeld öffnet Tür und Tor für kuriose Rechtsansprüche. Besser als das Betreuungsgeld wären in der Tat mehr und bessere Einrichtungen für Kinder.

  2. fraumutter schreibt:

    Sehr guter Post, das Betreuungsgeld ist sowas von rückwärtsgewandt und reine Klientelpolitik. Wie soll man in Deutschland endlich aus den 1950er Jahren kommen, wenn es noch so Sachen wie die “Herdprämie” gibt?

  3. Inch schreibt:

    Gut geschrieben. Das mit der Herdprämie haut mich um! Da meine Kinder schon raus sind aus dem Betreuungsalter, das kleine macht grad Abi, ist das mit der Herdprämie an mir vorbei gegangen. Als ich dann zum ersten Mal davon hörte, hielt ich es für einen schlechten Scherz.
    Unglaublich das alles! Und ich gebe fraumutter Recht

  4. stilhaeschen schreibt:

    Großartiger Text, beschissener Grund dafür. Hier war die Kindergartensuche auch aussichtslos, über Kontakte hat sich dann aber doch noch was ergeben. Scheiße, wenn man Vitamin B braucht, um ein zustehendes Recht zu bekommen. Da stimmt was nicht. Zu viele Kinder, das wird’s sein.

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