Gestern? Ein Traum-Tag.
Zuerst sind alle Kinder mit Gummistiefeln in den Brunnen geklettert, danach haben sie sich ausgezogn und einen Liter Sonnencreme auf sich, die Wiese und meine Klamotten verteilt. Hierauf trennte sich die Meute, Helene verzog sich auf den Catwalk, also auf unsere Terrasse, stöckelte mit meinen teuersten Pumps mit Stoffbesatz umher, bis der Stoff von den Absätzen geschält war. Paul rupfte derweil Omas meterlange Blümchen aus dem Beet (“Für dis Mama” – “Ja, daaanke”), während Franz sich am Auto zu schaffen machte.
Unser Auto ist ja mittlerweile ein Liebhaberobjekt erster Klasse, innen mit Kugelschreiber-Graffitis und außen witzig-runde Schlüssel-Kratzer. Wer´s gewesen ist? “Der Herr Niemand.” Ich sag´s Euch, wenn ich diesen Kerl mal zu packen kriege, dann gnade ihm Gott… Nun, ich kontrollierte also, wie Franz sich diesmal am Auto verewigt hatte, konnte aber nichts entdecken. Ich atmete tief durch, als dieser Tag ein Ende fand.
Komisch fand ich heute morgen nur die merkwüdigen Geräusche, die das Auto während der Fahrt zum Kindergarten machte. Unregelmäßig, blechern, laut. Die
entgegenkommenden Autos signalisierten mir mit Lichthupe, das etwas nicht stimmte, bis ein entgegenkommender PKW-Fahrer sein Fenster runterkurbelte und neben mir hielt. Auweia, der sagt mir jetzt sicher, dass meine Stoßstange abgebrochen ist, dachte ich. Da lag ich aber falsch…
Ein Springseil klemmte in der Motorhaube. Jawohl. Was denn sonst? Mit Springseil vorweg fuhr ich also vor der Kita vor und lächelte den anderen Eltern scheu entgegen: “Hehe, das war, also ja, das war der Herr Niemand…”
Genau, niemand war’s und keiner hat’s gesehen
Herr Niemand meinte es doch sicherlich nur gut… er hat vorsichtshalber mal ein Abschleppseil montiert, falls Mama oder Papa mal liegen bleiben.