Die Klaviatur der Liebe (Lisa)

Heute morgen, nach einer Nacht, von der man nur träumen kann – in der jedes Kind nur ein einziges Mal seine Flasche wollte – wachten wir alle gut gelaunt auf. Saßen beim Frühstück, manschten Brei für die Kleinen, schmierten Brote für die Große, da überkam mich ein kleiner Anfall von Spontaneität und ich setzte mich ans E-Piano, das praktischerweise direkt neben dem Esstisch steht. Ich liebe diese warmen Klänge des Geräts, bin fasziniert von den Tönen, die sich durch schwarze und weiße Plastiktasten empor schleichen und schließlich den ganzen Raum mit ihrem Klang ausfüllen. Meine Kinder lieben diese Töne auch. Das einzige Problem ist, dass meine Klavierlehrerin von damals ziemlich bald nach Beginn meines Unterrichts schwanger wurde und mir eine Vertiefung meiner Fähigkeiten dadurch verwehrte. Meine letzte Klavierstunde ist nun also schon knappe zwanzig Jahre her und ich beherrsche – ja ich gebe es zu – nur noch ein einziges Lied auswendig. Ich spielte es also am heutigen Morgen vor mich hin, die Jungs tanzten um mich herum, was mich rührte – so euphorisch hatte nun wirklich noch niemand auf meine Musik reagiert, da kam mein Mann von hinten an mich herangetreten, legte mir die Hand auf die Schulter und begann zu reden. Er sagte nicht: „Meine Güte, zum Teufel, hör mir mit diesem abgelutschten Lied auf, ich KANN es nicht mehr hören!“ Er sagte: „Ach Schätzchen, dieses Lied werde ich meinen Lebtag lang mit dir verbinden.“ Das war kein plumper Verknalltheitsbeweis à la Kai Pflaume. Das war ein versteckter, wahrscheinlich sogar unbewusster Zug meines Mannes. Durch jedes seiner Worte schlängelte sich etwas Zartes empor. Wie die Töne, die sich durch die Klaviertastatur schleichen, um den Raum mit Musik zu füllen. Ich glaube, das war wirklich Liebe.

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Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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