Angekommen im Spießertum (Lisa)

Es ist soweit. Wir haben die Spitze der Spießigkeit erreicht. Nein, pardon, eins fehlt noch, eine Doppelhaushälfte, aber mit den restlichen Anforderungen bei „Deutschland sucht den Superspießer“ sind wir schon ganz weit vorn, kurz vorm Eintritt ins Finale. Wir haben uns heute einen Fahrradanhänger gekauft! Spiiiießig! Dabei gilt es erst einmal den Begriff zu definieren. Laut einer bekannten freien Internet-Enzyklopädie wird es folgendermaßen erklärt:

„Als Spießer werden in abwertender Weise engstirnige Personen bezeichnet, die sich durch geistige Unbeweglichkeit, ausgeprägte Konformität mit gesellschaftlichen Normen, Abneigung gegen Veränderungen der gewohnten Lebensumgebung und ein starkes Bedürfnis nach sozialer Sicherheit hervortun.“

Na also! Engstirnig müssen andere beurteilen, aber Konformität? Bingo. Allein damit, dass wir Kinder haben sind wir in Prenzlauer Berg mehr als konform. Hier fallen Menschen ohne Nachwuchs auf wie einst pinke Irokesenschnitte auf Punkerköpfen. Hier erreichen wir also die volle Punktzahl. Bingo.

Zu unserer äußerlich sichtbaren Konformität gehört außerdem ein Kinderwagen-Maserati (rein preislich gesehen!).Wir haben den Schrott-Zwillingsbuggy nach einem Jahr Ächzen und Würgen eingetauscht.

Zur Abneigung von Veränderung bliebe zu sagen, dass wir zwar bereits mehrfach die Wohnung gewechselt haben, unserem Kiez aber treu geblieben. Bingo! Und soziale Sicherheit, wer will die nicht? Nochmal Bingo also.

Wir gehen nicht mehr bis in die frühen Morgenstunden auf wilde Partys, wir fordern kein zweites Woodstock und wir sind ziemlich glücklich damit. Mit dem Fahrradanhänger erreiche ich die Kinderarztpraxis nun doppelt so schnell, kann sogar mal nach Mitte (soo weit!) fahren, wenn ich möchte. Mit dem Kinderwagen-Maserati bleibe ich nun nicht mehr in jedem einzelnen Berliner Bürgersteig-Schlagloch hängen und kann auch mal einen Spaziergang ohne blaue Flecke überstehen (ganz neue Erfahrung). Und was unsere Lebensumgebung angeht, schätzen wir am Helmi eben gerade, dass sich alles permanent ändert, sich das Wirtschaftsrondell immer weiterdreht und immer wieder kleine niedliche Läden, Kiosks oder Boutiquen ausspuckt. Klingt doch alles gar nicht schlecht, oder?

Ich denke, es ist an der Zeit, den ersten Satz der Spießerbeschreibung in der Internet-Enzyklopädie zu ändern. Aus „abwertend“ sollte „aufwertend“, aus „engstirnig“ „breitmaschig“ werden. Außerdem hat ein Fahrradanhänger ja nun wirklich gar nichts von Unbeweglichkeit an sich, die sich laut Enzyklopädie angeblich gerade im Spießertum manifestiert. Merken Sie, dass wir mit diesem Kauf eine kleine Revolution gestartet haben?

P.S. Hoffentlich liest das jetzt mein 68er-Vater nicht

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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