Hunger (Markus)

Ich fahre meistens hungrig zur Arbeit. Nicht, weil es nichts gäbe, sondern weil ich morgens einfach nicht dazu komme zu essen. 6.10 Uhr weckt mich Franz. Oder Paul. Oder Franz und Paul. Sie stehen dann in ihren Schlafsäcken in ihren Betten, rütteln am Geländer und rufen Papa. Oder Mama. Oder Tatüta – was soviel heißt wie: Da fährt gerade ein Feuerwehrauto vorbei. Sie rufen das nicht einmal, nicht zweimal, sondern gefühlt 200 Mal. Was sie damit erreichen, wissen sie bereits: Ich stehe auf, hebe beide aus ihren Ställen und transportiere sie ins Wohnzimmer, wo sie meistens weiter Mama, Papa oder Tatüta rufen – auch wenn ich ja jetzt da bin und weit und breit kein Feuerwehrauto zu hören ist. Aber sie merken, dass mich das Geschrei nervt und gerade deshalb rufen sie immer weiter. Ich wickele beide, weil ich denke, dass sie dann vielleicht aufhören zu rufen, weil ich mich ja jetzt kümmere. Zwillinge wickeln dauert dreimal so lange wie das Wickeln eines einzelnen Kindes. Weil der, der gerade nicht gewickelt wird, an mir zieht und rüttelt (weil er auch gewickelt werden will). Weil er Hunger hat oder weil er gerade im Spielzimmer vom Stuhl gefallen ist und schreit. Nach dem Wickeln hole ich aus der Küche ein Schälchen, eine Banane, eine Gabel, einen Löffel, Haferflocken und mache Frühstück. Nicht für mich, sondern für die gerade gewickelten Zwillinge. Zwillinge füttern dauert dreimal so lange wie das Füttern eines einzelnen Kindes. Weil der eine dem anderen entweder ständig in den Mund fasst (Futterneid) oder das Essen wieder ausspuckt, um seinen Bruder zu beeindrucken, zu belustigen oder im Spielzimmer vom Stuhl fällt, während ich seinen Kameraden füttere. Irgendwann ist es 7.45 Uhr. Meine Frau übernimmt. Ich ziehe mich an, dusche, fahre zur Arbeit. Ohne Frühstück, hungrig.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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2 Antworten zu Hunger (Markus)

  1. Konschti schreibt:

    Ach, mein lieber Harmi. Irgendwann lade ich Dich mal zu einem fulminanten Frühstück nach Marzahn an – versprochen 😉

  2. Stephan schreibt:

    Lieber Markus
    sorry dass ich noch keine Illu dafür geliefert habe. Aber ich lade Dich auch gerne mal zum Frühstück mit Marzipan ein, dauert aber auch mindestens 3x so lang wie sonst. Schön der blog….. St.

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