Feierabend (Markus)

Ja, ich gebe es zu: Es ist schon vorgekommen, dass ich mir mehr Zeit gelassen habe, als eigentlich nötig. Ich habe den Beginn meines Feierabends hinausgezögert. Habe noch ein bisschen gequatscht mit Kollegen, habe die Jacke nicht übergeworfen, sondern gemächlich angezogen. Bin nicht mit dem Fahrstuhl ins Parkhaus runter, sondern Treppen gelaufen. Und habe es später im Auto nicht gerade darauf angelegt, die Ampel-Grünphase noch mitzunehmen. Wird ja eh immer gleich wieder Rot.
Während ich also meinen Feierabend-Beginn entschleunigte, habe ich gehofft, dass die Kinder schon im Bett sind, wenn ich über die Schwelle der Wohnungstür trete.
Normalerweise wartet meine Frau mit dem Ins-Bett-bringen, bis ich zu Hause bin. Und dazu hat sie jedes Recht dieser Welt. Denn drei Kinder bettfertig zu machen, ist mit dem Wort langwierig nur unzureichend  beschrieben. Wickeln, umziehen, waschen, Nase putzen, inhalieren (gelegentlich), Milchfläschchen spülen, Milchfläschchen auffüllen, Milchfläschchen in der Mikro wärmen. Die Kinder (jedenfalls die Kleinen) in Schlafsäcke packen und in die Gitterbettchen heben, die Große überreden, dass nun Zeit fürs Bett ist, Zähneputzen, Buch vorlesen, noch ein Buch vorlesen, Lied vorsingen, nochmals Zähneputzen (weil sie irgendwo noch ein Stück Schokolade gefunden und aus Versehen in den Mund geschoben hat).
Das alles geschieht irgendwann zwischen 19 und 20.30 Uhr. Je eher ich komme, desto mehr muss ich also machen. Je später, desto weniger. So ist es jedenfalls im Prinzip, tatsächlich ist natürlich kein Abend wie der andere.
Kinder ins Bett bringen ist wie eine Hausarbeit schreiben an der Uni. Ich zögere es so lange raus wie möglich, mach es dann eher widerwillig, hektisch und planlos – und bin stolz auf mich, wenn ichs geschafft habe – und meine Frau nicht habe hängen lassen, weil ich wieder einmal länger im Büro geblieben bin als notwendig.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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