Die Farbe Rosa (Markus)

Warum stehen eigentlich alle kleinen Mädchen auf Rosa – und nicht auf Zinnoberrot, Dunkelbraun oder Chromgelb? Das frage ich mich, seit unsere Tochter ungefähr zwei Jahre alt ist. Auf Helene wirkt die Farbe Rosa wie ein viel zu starker Magnet. Im Supermarkt kramt sie jedes Mal das in Plastikfolie eingepackte Lillifee-Magazin aus dem Regal und sagt, dass sie das noch nicht habe und dass wir das jetzt kaufen müssen, unbedingt. Im Klamottenladen streichelt sie jedes rosa Teil, egal ob Unterhose für ältere Damen, Strampler für Säuglinge oder Kleid, das ihr tatsächlich passen würde.

Ich finde Rosa grässlich, weil es so weichgespült und unecht wirkt. Trotzdem habe ich vor einigen Wochen einen rosa Trainingsanzug gekauft und ihn ihr geschenkt. Weil ich mir sicher war, dass sie sich darüber freuen würde. So war es dann auch. Immer wenn sie jetzt den Fummel trägt, sagt sie, dass das von Papa ist und dass sie das Teil richtig toll findet.

Aber eigentlich ärgert es mich, dass ich ihre rosa Vorliebe auch noch unterstützt habe mit dem Geschenk.

Ist der Hang zu Pink nun angeboren? Oder ist er anerzogen – immerhin streichen viele Eltern das Kinderzimmer wie selbstverständlich Rosa, kaufen rosa Strampler und Mützen, als gäbe es für Kinder keine andere Farbe. Kein Wunder also, dass kleine Mädchen glauben, alles was Rosa ist, sei auch gut.

Neurowissenschaftler der Universität Newcastle sind sich trotzdem sicher, dass Mädchen gar nichts für ihre Vorliebe können. Die Forscher haben zunächst die Farbpräferenzen von Briten verglichen. Dann haben sie Chinesen befragt, die erst kurz zuvor nach Großbritannien gezogen waren (und nicht wie Europäer mit geschlechtsspezifischen Farbschemata erzogen wurden). Bei den Frauen – egal ob aus Großbritannien oder China – waren die bevorzugten Töne Rot und Lila, bei Männern Blau. Die Forscher sehen eine mögliche Ursache in der Evolution. Zurzeit der Jäger und Sammler hätten Frauen Beeren gesammelt. Und die sind meist rot.

Helene hat noch nie Beeren gesammelt und mag auch lieber (grüne) Birnen als (rote) Kirschen. Trotzdem fährt sie auf Pink ab.

Vor einiger Zeit schaute sie beim Wickeln ihrer Brüder zu und sagte dann:

„Papa, ich will auch so einen Penis haben.“

Darauf ich: „Hm, schwierig. Das wünschst Du Dir also.“

Helene: „Ja, aber in rosa und von Lillifee.“

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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Eine Antwort zu Die Farbe Rosa (Markus)

  1. Stephan schreibt:

    Farb-Präferenzen dürften tw. genetisch bedingt sein, aber auch anerzogen. Leider kein entweder-oder. Dass Frauen zum Rotlicht neigen (um Beeren zu pflücken) und Männer fast immer blau sind (um der Erdschwere zu entkommen), wäre wissenschaftlich zu simpel. Und empirisch kaum nachvollziehbar.
    Rosa ist brennend-weich: familiär, aber lodernd. Blau ist die Aufhebung der Schwerkraft, utopisch, wild bis idiotisch. Heißt: nur das Gemisch ergibt fruchtvolle Basis zur Weltverbesserung (denn drunter sollten wir es nicht tun, oder?)

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