Die Weichen auf Freundlichkeit stellen (Lisa)

Berlins Verkehrsnetz ist wundervoll für Familien. Besonders für Familien wie meine, in der die Kinder Autofahren verabscheuen. Wir nutzen also die öffentlichen Verkehrsmittel, wenn es uns mal über unsere Kiezgrenzen hinaus zieht. Die Straßenbahnhaltestelle ist auch noch direkt vor unserer Haustür. Perfekt. Die Tram kommt. Ich nehme meine dreijährige Tochter an die rechte Hand und schiebe mit der linken den Zwillingskinderwagen in die erste Tür hinter der Fahrerkabine.

„Könnse mir ma aklärn, wie ick hier wieder russkomm soll?“ pfeift es durch die Lautsprecher. Ich halte meinen Kindern die Ohren zu und richte mich wieder auf. „Junge Dame, nu aklärn se ma!“, pfeift es weiter. Hoppla, ich bin gemeint? Oh gott, was hab ich denn gemacht? Ach, ich hab Ihnen die Kabinentür zugeparkt?

Die Straßenbahnfahrerin, Mitte 40, Typ frustrierter Single, motzt nun immer weiter. Ich heute Typ schlampiger Look, Nacht war schlimm, ungeduscht, möchte zurückraunzen: „Es ist nicht meine Aufgabe ihnen zu erklären, wie sie hier wieder rauskommen, verdammt nochmal, nun stellen Sie Ihre Weichen bitte mal auf freundlich um“, aber ich halte mich bedeckt. Was kann schließlich schon die arme Dame dafür, dass ich heut nacht so schlecht geschlafen hab. Ich dreh mich also um, sage, dass es mir leid tue und steige ins hintere Abteil ein. Die Kinder schreien nun nach all der Aufregung. Das hat sie nun davon!

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Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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2 Antworten zu Die Weichen auf Freundlichkeit stellen (Lisa)

  1. Céline schreibt:

    Lisa, ich würde sagen 1 A gemeistert! 🙂

  2. Stephan schreibt:

    Zur BVB fällt mir unser erstes Berlin-Erlebnis ein, noch orts-unkundig im Bus am Ku-Damm:
    Ich: ist das der Bus Richtung Wannsee?
    Antwort vom Fahrer: Wat willstn da?

    Wir wollten sofort zurück nach Kölle, sind dann merkwürdigerweise doch fast 8 Jahre geblieben.

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