Kalte Männer, kleine Kinder (Lisa)

Kinder, Kinder, liebliche Geschöpfe, die ihr seid. Einzigartig in jeder Hinsicht und Situation. Das habt ihr gestern wieder bewiesen.

Besuch von zwei Freundinnen im gebärfähigen Alter. Sie wünschen sich Kinder, irgendwann. Kamen enthusiastisch, „ach wie süß“, hätschel tätschel und wurden bald von der Realität überrollt. Helene hatte sich vorgenommen, kein Gespräch zustande kommen zu lassen. Mama, guck mal. Mama komm. Mama hab Kacka gemacht.

Paul und Franz wollten auf den Arm, hatten Hunger, schmissen ihre Trinkfläschchen um. Welch gemütliche Runde für eine tratschende Mädchenclique beim Kaffeeklatsch. Wir wollten gerade mal wieder ansetzen, über unsere neusten Liebesaggregatzustände zu sprechen, da platzte Helene wieder dazwischen. Ich dachte, gut, Kind braucht Aufmerksamkeit, Kind ins Gespräch integrieren.

Ich: „Helene, erzähl doch den beiden mal, wie du dir letzte Woche heimlich die Haare abgeschnitten hast.“

Sie: „Das war ich nicht.“

Ich: „Wer war das denn dann?“

Sie: „Ein alter Mann.“

Ich: „Weeer?“

Sie: „Ein alter, kalter Mann.“

Beschämendes Gelächter der Gäste hinter vorgehaltener Hand.

Ich: „Was denn für ein alter, kalter Mann?“

Sie: „Der hatte keinen Kopf und keine Hände. Und Blut in den Armen.“

Ratlose Blicke der Gäste. Mit Stirnrunzeln.

Gast: „Und wie hat der dir dann die Haare geschnitten, ohne Kopf und ohne Hände?“

Sie: „Na mit den Füßen! Ist doch klar.“

Ja, tschuldigung, ist ja klar. Pardon. Helene-Logik.

Das Abendessen war zwischenzeitlich gegart, die Mädels staunten, was ich alles gleichzeitig machte. Machen musste. Mein Standardprogramm quasi, abgespult aus Gewohnheit.

Wie aufwendig das ist, das merkt man oft erst an den Blicken Außenstehender. Paul und Franz saßen jetzt jedenfalls in ihren Hochsitzen, mümmelten ihre Baby-Gourmetkost, als Paul tief Luft holte und mit einem lauten Rooooarrrr seinen halben Mageninhalt auf Stuhl, Tisch und Fußboden katapultierte. Die andere Hälfte kam fünf Minuten später.

Die Gäste hatten es plötzlich eilig, mussten sich ja noch frisch machen für den Abend, an dem sie noch zum Essen verabredet waren. Die Zeit. Jaja. Vergeht so schnell. Schon wieder Abend, hach. Guten Appetit, dachte ich und Küsschen Küsschen waren sie aus der Tür.

Kinder, Kinder, liebliche Geschöpfe. Ich drückte meine kreischend-kotzende Bande an mich und dachte darüber nach, ob wir mit diesem Nachmittag mal wieder die deutsche Geburtenrate negativ beeinflusst haben könnten und kam zu dem Schluss, dass meine Kinder wohl tatsächlich die demographischen Werte verändert hatten. Zumindest für die nächsten fünf Jahre.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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Eine Antwort zu Kalte Männer, kleine Kinder (Lisa)

  1. Jägerin schreibt:

    Die Zeichnungen sind übrigens hammer!!!

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