Wortlaut (Markus)

Die Sprachentwicklung bei unseren Zwillingen stockt. Seit Weihnachten ist der Wortschatz der beiden Kerle auf folgende Ausdrücke begrenzt (wobei interessant ist, dass beide einen vollkommen identischen Wortschaftz pflegen): Mama, Papa, Tüta, Wauwau, Nana, Heija – und ein Wort namens Douh (gesprochen: Douh).
Es gibt zwar noch viele Laute mehr, die permanent aus den Kehlen der beiden dringen. Diese Laute aber als Worte zu bezeichnen, wäre übertrieben. Vielmehr handelt es sich dabei um eine eigene Sprache ohne Grammatik, ohne feste feste Strukturen und mit einem seltsamen Klang. Also ein bisschen so wie niederländisch. Und genau wie sich die Holländer untereinander verstehen, verstehen sich auch unsere Jungs, wenn sie sich in ihrer eigenen Sprache angrunzen.
Aber ich wollte ja auf den wahren Wortschatz hinaus, jene Worte also, die auch wir Großen verstehen. Das besondere ist, dass die sieben genannten Worte jeweils mehrere Bedeutungen haben. Das erklärt vielleicht, warum sie es bei ihrem Sieben-Worte-Wortschatz belassen, denn damit kommen sie ja wunderbar durch ihr junges, freies Leben.

Mama bedeutet nämlich nicht nur Mama, sondern gelegentlich auch Papa, Oma oder Tante.
Papa heißt meistens Papa, manchmal ist damit aber auch der Kioskbesitzer, Bäcker oder Straßenbahnfahrer gemeint.
Tütä ist alles, was rot ist und Tatütata macht. Manchmal aber auch alles, was einfach nur rot ist und sich bewegt: Ein Hund mit einer roten Kälte-Decke zum Beispiel.
Womit wir bei Wauwau wären. Das heißt natürlich Hund, im Bilderbuch aber auch große Katze, Tiger, Löwe, Kalb und Gepard.
Nana kommt von Banane und heißt: Banane. Außerdem: Essen, Trinken und Hunger.
Heija bedeutet: Hallo, Guten Morgen, Na, wie gehts? und: Mama, da bist Du ja endlich wieder!
Und jetzt das Wörtchen Douh. Klingt wie eine Mischung aus englisch und niederländisch. Für Franz und Paul liegt es, was die Häufigkeit der Nennung angeht, zurzeit fast gleichauf mit Mama und Papa. Was oder wer könnte aber so wichtig sein wie Mama und Papa? Die Antwort ist banal: Douh heißt Zug – und zwar nur Zug.

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Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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2 Antworten zu Wortlaut (Markus)

  1. Stephan schreibt:

    Wie ZUG? Zieht es denn bei Euch? Dann meinen sie den Wind oder Durchzug. Oder meinen die Kerle die Straßenbahnen der Prenzlauer Allee?
    Oder „Zugzwang“? Ein deutsches Fremdwort im Englischen aus der Schach-Sprache (gesprochen „sugswäng“) für die Reaktionserwartung an einen in-die-Enge-Getriebenen.

    Douh….was habt ihr für herrliche Kinder….lasst sie phantasten (und schreibt alles auf).
    Zum Glück douhzen wir uns ja schon…
    Stephan

  2. Jägerin schreibt:

    Es ist unglaublich. Jakob sagt auch douh. allerdings bedeutet das bei ihm: kakao. aber den trinkt er immer in einem zug leer …

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