Seelenstress am Morgen (Lisa)

Sobald man Kinder hat, kann man sich vor nichts mehr verstecken. Vor allem nicht vor den eigenen Kinderheitstraumata. Bei mir gibt es da so eins, an dass ich nun fast täglich erinnert werde. Es hat mit Schuhen zu tun. Und mit Ekel.

Als kleines Landmädchen, wie ich es eines war, gehörte es natürlich dazu, dass ich den Hauptteil meiner Freizeit im Reitstall verbrachte. Das war so normal für mich, dass ich alles, was ich dazu brauchte, wie automatisch abspulte. Reithelm von der Garderobe holen, Lederbesatzhose rauskramen und den Korb mit den Pferdebürsten bereit stellen. Schließlich lange Socken über die Hose und rein in die Lederstiefel, mit Schwung, damit man nicht stecken bleibt.

Da zum Landleben aber nicht nur Pferde gehören, sondern auch Katzen, kam dann eines Tages die große Überraschung in Form eines Miezengeschenks. Ich schwang mich in meine Reitstiefel und

kracks,

knack,

grrgsl

trat ich in etwas Warmes, Weiches, Knackendes. Mulli, mein Lieblingskater, hatte mir diese wunderbare Überraschung beschert, er schnurrte stolz um mich herum, während ich kreischte über diese Abartigkeit: eine halbzerfleischte Maus im Schuh. Das vergisst man nicht. Niemals.

Denn nahezu täglich werde ich an diese Szene erinnert. Morgens wenn ich meine Schuhe zusammenfege, den linken aus dem Kinderzimmer, den rechten aus dem Badezimmer oder umgekehrt, dann läuft mir auch heute noch oft dieser Ekelschauer über den Rücken. Dann nämlich, wenn mir die lieben Kleinen mal wieder ihre Legosteine -pieks! – oder Bananenreste – matsch – hinein gelegt haben. Überraaaaschung!

Ein Psychologe würde darin wahrscheinlich die perfekte Therapieform der Konfrontation mit den eigenen seelischen Wunden sehen. Nur so könnten Ängste überwunden werden. Meint er vielleicht. Aber ehrlich gesagt habe ich keinen Bock auf das ganze Psycho-Simsalabim. Ich will einfach nur nicht mehr jeden Morgen an tote Mäuse denken müssen. Basta.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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