Papa Obama (Markus)

Neulich, irgendeiner unserer Söhne hatte gegen 4.30 Uhr begonnen, so monoton und anhaltend Mama zu rufen, dass alle wach wurden, hatte ich Racheglüste. Ich wurde aus dem Tiefschlaf gerissen, nachdem ich mal wieder geträumt hatte, dass ich kurz vor der Abiturprüfung in Mathe stehe und nicht gelernt habe. Meine Frau holte Franz (oder war`s Paul?) zu sich, der Kleine beruhigte sich schnell wieder, alle anderen auch. Aber ich war wach, fühlte mich elend, schlapp und ausgelaugt – und sann auf Rache für die Weck-Attacken zur Unzeit.

Irgendwie wollte ich es ihnen heimzahlen, den kleinen Störfeuerwerken, die nicht wissen, wann man in Prenzlauer Berg schlafen muss und wann man wach sein darf. Ich lag also halbwach da, dachte nach, steigerte mich immer weiter hinein in üble Gedanken und glaubte plötzlich, ich hätte die Lösung, um meinen Söhnen zu zeigen, dass sie nicht alles mit mir machen können. (Was natürlich völliger Quatsch ist, die Kleinen sind anderthalb, und die süßesten Jungs, die man sich vorstellen kann. Aber wie gesagt: Ich war unausgeschlafen und am Ende.)

Ich beschloss, meine eigene Art von Reformpädagogik anzuwenden (nicht die aus der Odenwaldschule, dieser Päderasten-Brutstätte, Gott bewahre). Fortan, das nahm ich mir vor, wollte ich unsere Jungs zwingen, mich Obama zu nennen oder alternativ Mr. President. Ich stellte mir vor, wie es wäre, wenn ich in der Straßenbahn säße und Franz zu mir sagte: Obama, wann steigen wir endlich aus? Oder beim Einkauf: Mr. President, wir brauchen noch Fruchtzwerge!

Ich fand den Gedanken so lustig, dass ich schlagartig bessere Laune bekam. Gleichzeitig war mir natürlich bewusst: Würde irgendeine andere Mutti in der Kita hören, wie mein Kind mich Obama nennt – sie würde womöglich direkt das Jugendamt verständigen.

Ich beschloss, mein Vorhaben an unserer Tochter Helene zu testen. Sie ist dreieinhalb, spricht ausgezeichnet.

Ich sagte: „Helene, ab heute sagst Du nicht mehr Papa, sondern nur noch Obama zu mir, okay?“

Helene schaute mich an, schaute Lisa an, drehte verwirrt ihren Kopf zur Seite und sagte: „Mama, Papa spinnt ja wohl!“

Recht hat sie.

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Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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Eine Antwort zu Papa Obama (Markus)

  1. bpb schreibt:

    Hab mir grad vorgestellt, was geschähe, wenn Du Dein Obama-Ansinnen auf Arbeit vortragen würdest…
    Das hat meine Laune ebenfalls schlagartig verbessert;-)

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