Mangelware (Markus)

Es ist mitunter nicht leicht, in Prenzlauer Berg Lebensmittel zu bekommen, die man im weitesten Sinne als normal bezeichnen würde. Milch etwa. Oder Brötchen. Oder Filterkaffee.


Neulich, gegen 19.30 Uhr. Uns war die Lidl-H-Milch ausgegangen. Unsere Jungs nehmen abends im Bettchen immer noch mal eine Pulle voll, eigentlich nur aus Gewohnheit. Im Kiosk gabs zwar Bier in allen Varianten – aber keine Milch. Ausverkauft. Edeka und Lidl waren zu weit weg, also ging meine Frau zu den Nachbarn, einer netten Familie mit einem Kind.


„‚Tschuldigung, habt Ihr noch Milch?“ – „Mmh, äh, ja aber nur die Süße!“ – „Die Süße?“ – Ja, fettarm und lactosefrei…“
Meine Frau nahm sie, bedankte sich, wollte ja nicht unhöflich sein.

Lactosefreie Milch, ist das nicht so ähnlich wie Spiegelei ohne Eiweiß?

Auch bei den ganz normalen Brötchen – in Berlin Schrippen genannt – ist es nicht so leicht mit dem Normalen… Unten beim Bäcker gibts fad schmeckende sogenannte Ostschrippen. Sehr mehlig, sehr klein. Billig aber unbefriedigend. Zwei Häuser weiter, ein kleines Café, das zwar leckeren Café Latte anbietet, aber Brötchen? Nur Bagel oder irgendwelche Dinkelkringel. Dann ist da noch der türkische Bäcker in der Parallelstraße. Ein irres Angebot: Weltmeister, Schusterjunge, Käsebrötchen, Laugencroissants, Buttercroissants. Alles warm und frisch – aber normale? Lediglich Aufbackbrötchen liegen im Flechtkorb. Hätte ich auch zu Lidl fahren können.


Auch mit dem Filterkaffee ist das so eine Sache. Für dessen Kauf spricht vielleicht nicht unbedingt der Geschmack, aber doch der Preis angesichts von 2,70 Euro für einen Latte Macchiato. Ein Filterkaffee kostet normalerweise zwischen 50 und 80 Cent – jedenfalls dort, wo es ihn gibt. Nicht im Café um die Ecke, nicht beim Bäcker in der Parallelstraße, nicht beim Nachbarn. Oder vielleicht doch beim Nachbarn? Dann aber nur mit fettarmer, lactosefreier Milch…

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Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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3 Antworten zu Mangelware (Markus)

  1. bpb schreibt:

    Fade, klein und mehlig? Dann lügt der Bäcker. Richtige Ostschrippen sind knusprig und lecker.

    • nusenblaten schreibt:

      Vermutlich wird hier mit dem Begriff Ostschrippe Schindluder getrieben. Der Bäcker sollte besser drüber schreiben: mehliges, kleines Aufbackbrötchen…

  2. Christiane schreibt:

    Hm, egal ob Ost- oder Westschrippen – so richtig knusprige Brötchen wie in Kölle oder Hamburg habe ich hier auch noch nicht entdeckt…

    Liebe Grüße von Christiane, die jetzt mal ihre lactosefreie Milch trinken geht (aber zumindest ist die Intoleranz genetisch getestet & nicht durch einen Heilpraktiker ausgependelt worden)

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