Trennungsschmerz (Lisa)

In herkömmlichen Elternratgebern ist oft die Rede von Abschieden, die das Muttersein von Natur aus mit sich bringt. Die erste große Trennung stehe mit der Geburt bevor, dann nämlich wenn „zwischen Ihnen das Band des Lebens durchschnitten wird“. So oder ähnlich heißt es dann in diesen Weichspülversionen des wahren Lebens.

Gemeint ist: Wenn die Nabelschnur durchgeschnitten wird. Das Blut spritzt. Die Mutter eigentlich nur noch ihre Ruhe will und sicherlich nicht über erste Trennungen nachdenkt, sondern eine Mischung aus Angst vor dem nächsten Stuhlgang und große Euphorie über das unfassbare Kennenlernen ihres eigenen Kindes empfindet. Laut Elternratgebern ist das aber erst der Anfang von vielen schmerzlichen Trennungen, weiter geht’s mit dem Abstillen, dem ersten Tag in der Kita, der Einschulung etc. und am schlimmsten wird alles dann mit dem Auszug aus der elterlichen Wohnung.

Muttersein muss ja wirklich grauenhaft sein, ein einziger Trennungsschmerz. Hat die Natur das wirklich alles so gewollt?

In der aktuellen Ausgabe der Monatszeitschrift ZWILLINGE las ich den Artikel einer Mutter, deren 16-jährige Zwillingstöchter jeweils in einem anderen Land ein Auslandsschuljahr verbringen. Ich stellte es mir schon heftig vor, wenn gleich zwei Kinder das Haus verließen und plötzlich so eine komische Stille herrschte. Aber es klang schon sehr dramatisch, wie sie unter dem Abschied am Flughafen („Ich fühlte mich so unsagbar leer“), den ersten Telefonaten („Das war für uns auch eine schlimme Situation, denn wir konnten ja nicht mit weinen“) und dem Alltag ohne ihre Töchter („Dann gibt es immer wieder Momente, in denen man einfach leise weint…“) litt.

Für mich als Außenstehende klang diese Geschichte viel positiver, hatte ich doch selbst mit 16 ein Jahr im Ausland verbracht und beim Lesen des Artikels sah ich meine Kinder schon in der ganzen Welt verteilt. Ich freute mich auf die nächsten spannenden Jahre mit ihnen.

Und während diese wunderbare Zukunftsmusik mein Gehirn beschallte, vergaß ich fast, dass unsere Zwillingsjungs in dieser Woche ihren ersten Tag in der Kita verbringen sollten. Genauer gesagt: Heute.

In 30 Minuten würde es losgehen.

Oh mann.

Ich war ein bisschen unsicher.

Sollten all die schnulzigen Elternratgeber und die Mutter aus der Zeitschrift recht behalten?

Irgendwie fühlte ich mich leer und wollte heulen.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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Eine Antwort zu Trennungsschmerz (Lisa)

  1. Rike schreibt:

    Ich glaube, dass man von gängigen Elternratgebern viel intensiver geprägt wird, als man glaubt. Schrieben die Autoren häufiger: „Hey, die meisten Kinder lieben es in der Kita und sind bei den allermeisten BetreuerInnen in wunderbaren Händen! Und Mütter können dann endlich mal wieder zwei Stunden in der Sonne Kaffee trinken oder ihr Gehirn auf andere Weise nutzen!“ Dann fiele ihnen der Trennungsschmerz vielleicht gar nicht so auf. Elternratgeber stoßen Mütter und Väter auf Probleme, wo sie sonst vielleicht gar keine sähen.

    Also Lisa, sei nicht traurig, kauf Dir eine Sonnenbrille und freu Dich auf Ostern mit Deinen vier Lieben, die Dir noch irre Lange ganz nah erhalten bleiben.

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