Neue Trends (Lisa)

In der Apotheke. Ich warte auf mein Angina-Antibiotikum, da kommen zwei etwa Dreizehnjährige rein. SIE gucken sich verschämt um. ICH tue so, als würde ich sie nicht beachten, schmunzle aber innerlich. Äußerlich ist jeder Zentimeter an den beiden Halbwüchsigen durchgestylt. Jeder Millimeter der Unterhose, die aus der weiten Jeans hervorlugt. Jeder Winkel der aufgesetzten Cappy auf dem gegelten Haar. Ihre Hände verstecken sie in den Hosentaschen, ihr Gang ist schwungvoll. Schwungvoller jedenfalls als ihr Selbstbewusstsein in diesem Moment.

Ich bekomme mein Medikament, sie dürfen am Tresen nebenan bestellen. Extra langsam packe ich meine Tabletten ein, schaue mir die Packung an und lasse mir sogar noch eine Tüte geben. Ich zögere den Moment des Gehens heraus. Wie indiskret.

Ich höre also, wie der eine der Jungen sagt:

Ham sie Koffeintabletten?“ (errötetes Gesicht)

Ja, eine Zehnerpackung?“, fragt die Pharmazeutin.

Ham se nicht auch 20-er?“ (der Junge wippelt mit dem Knie hin und her)

Ja.“

Wie teuer sind die denn überhaupt?“ (grinst zu seinem Kumpel)

Ich verlasse die Apotheke schmunzelnd.

Scheint ja der neuste Schrei zu sein – Koffeintabletten. Die gabs in meiner Jugend noch nicht und die ist ja noch gar nicht so lang her. Ich kenne lediglich diese Pocket Coffee-Schokodinger, die sich meine Schwiegermutter öfter mal einverleibt, aber von Koffeintabletten hatte ich bis dahin noch nichts gehört. Die Jungen wollen sich also scheinbar aufputschen, ohne sich an illegalen Drogen zu vergehen. Ehrenwert.

Allerdings: Warum trinken sie nicht einfach eine Tasse Kaffee? Weil das schwarze Gold in der Jugend einfach zum Kotzen schmeckt, erinnere ich mich. Diese Jungen sind also noch nicht alt genug für echten Kaffeegeschmack, aber nicht mehr zu jung, um sich mit dem Zeug aufzuputschen. Die Frage nach den Kosten amüsiert mich obendrein.

Ich stelle mir vor, wie die Mutter ihnen ihr Taschengeld vorrechnet, ihnen Sparsamkeit ins Gewissen redet, die der Finanzierung sinnvoller Dinge dienen soll und was machen die Jungs? Rennen in die nächste Apotheke.

Früher haben wir uns geschämt, Kondome zu kaufen. Die heutige Jugend schämt sich, Koffeintabletten zu kaufen.

Wofür sich wohl meine Kinder einmal schämen werden?

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Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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