Bagger (Markus)

Ein Ausflug mit unseren Kindern durch Prenzlauer Berg dauert im Augenblick sehr viel länger als noch vor einigen Monaten. Das liegt an den vielen Baustellen in unserer Ecke. Tramgleise werden erneuert, Wege gepflastert, Straßen sind gesperrt, weil die Kanalisation aus dem Dreißigjährigen Krieg modernisiert wird oder aber mal wieder eine Fußgängerinsel gebaut wird, damit alte Menschen, die es in Prenzlauer Berg nicht gibt, leichter von einer Straßenseite auf die andere kommen.

Nicht aber die vielen Sperrungen und Umleitungen sind es, die einen Spaziergang in die Länge ziehen, sondern das Baugerät, das zum Einsatz kommt. Ein ausgewachsener Bagger hat eine Anziehungskraft auf unsere Jungs, von der ich als Papa nur träumen kann. Von einer Walze, die frisch aufgetragenen Asphalt platt macht, ganz zu schweigen (aber Walzen gibt es ja nicht so viele wie Bagger). Die beiden sitzen dann in ihrem Zwillingskinderwagen, zeigen auf Bagger oder Walze, haben Augen so groß wie Pflaumen und rufen die ganze Zeit „Boaahh!“ (Das ist übrigens das achte Wort, das sie gelernt haben.) Wehe, wir schieben einfach weiter! Ein Riesengeschrei, so dass selbst die Bagger fahrenden Bauarbeiter kurz aufschauen. Weiter dürfen wir nur, wenn am Horizont der nächste Bagger zu sehen ist.

Ich frage mich seither, warum ausgerechnet Bagger es sind, die unsere Jungs so sehr in Extase versetzen – und warum nicht Sattelschlepper, Betonmischer oder Traktoren aus dem Bilderbuch – und habe mich gestern mit einem kinderlosen Freund darüber unterhalten. Er stellte nach kurzem Überlegen folgende Theorie auf: Von allen Baugeräten sieht uns Menschen der Bagger am ähnlichsten! Wie bitte? Ja, er vereint außerdem die guten und starken Seiten des Mannes. Da wäre der Ausleger, eine Stilisierung des männlichen Arms, mit einer Schaufel, die einer Riesen-Pranke gleicht und Tonnenladungen voller Sand gleichzeitig heben kann. Das Führerhaus, der Kopf also: stoisch, gleichmütig und vor allem cool ruht er auf dem Gerät.

Das flexible Hinterteil des Baggers ist auch nicht zu verachten. Es kann sich um die eigene Achse drehen. Eine Fähigkeit, von der ein Mann nur träumen kann. (So die Erklärung meines Freundes).

Morgen werde ich zu Karstadt gehen und meinen beiden Jungs zwei Bagger kaufen. Die stelle ich dann neben ihre Bettchen. Damit sie immer das Gefühl haben: Papa ist in ihrer Nähe.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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Eine Antwort zu Bagger (Markus)

  1. bpb schreibt:

    Außerdem will schließlich jeder Junge später mal Mädchen anbaggern. Und anschleppen werden Eure wohl auch das eine oder andere Girl. Also ist der Sattelschlepper auch noch irgendwann mal dran…

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