Nur landen ist schöner (Markus)

Es war schon ein wenig gespenstisch am Flughafen Berlin-Schönefeld, von dem aus wir am Dienstag mit einem Tag Verspätung in den Urlaub geflogen sind. Die meisten Läden waren dicht, die meisten Schalter auch. Auf den Bildschirmen flimmerte hinter jedem Flug der Hinweis „cancelled“ – mit Ausnahme unseres und eines Rundflugs mit dem Rosinenbomber, der offenbar so tief fliegt, dass Vulkanasche ihn buchstäblich nicht kratzen kann.

Die Leute der Securitas im Sicherheitsbereich waren freundlich, nein: sie waren geradezu herzlich: Endlich mal wieder Fluggäste und dann auch noch eine fünfköpfige Familie mit Zwillingskinderwagen und reichlich Gepäck! Endlich Arbeit also an diesem Tag, an dem sich in Schönefeld bis zum späten Nachmittag offenbar nur ein einziger Urlauber-Jet in Bewegung setzte – und das war unserer auf eine beliebte Ferieninsel.

Als ich durch die Lichtschranke ging, piepte es und der Mann von der Securitas drückte meinem Sohn den Bodyscanner in der Hand, damit er meine Schuhe elektronisch abtasten konnte. Franz durfte sich Zeit lassen, denn hinter uns kam niemand. „Sehen se zu, dass se schnell üba die Aschewolke kommen“, rief uns ein Sicherheitsmann hinterher und lachte sich scheckig, während eine Mitarbeiterin ihm mit dem Handrücken in die Seite schlug. „Kannst den Leuten doch keene Angst machen!“

Ne, konnte sie auch nicht. Genausowenig wie das Team vom Regionalsender rbb, das uns am Flughafen-Eingang abfing, die Kamera auf die Kids richtete und fragte, ob wir denn keine Angst hätten, immerhin hätte die Pilotenvereinigung Cockpit ja erklärt, jetzt zu fliegen sei ein Himmelfahrtskommando und überhaupt nicht sicher. Meine Frau blieb gelassen und sagte: „Der Pilot wird schon noch Zeit haben Not zu landen, wenn’s denn gefährlich wird.“

Mit einer kurzen Verspätung sind wir dann tatsächlich gestartet und ich habe genau darauf geachtet, ob irgendwo unter uns oder über uns Aschepartikel durch die Luft wirbeln, sich im Triebwerk festsetzen und wir Gefahr laufen, den Kaczynski zu machen. Aber wir blieben oben – und als wir nach etwas mehr als zwei Stunden auf der beliebten Ferieninsel gelandet waren, da applaudierten die meist hoch betagten Passagiere so anhaltend und so laut, als hätte sich Helge Schneider gerade entschlossen, doch noch eine Zugabe zu geben.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
Dieser Beitrag wurde unter Der Anfang veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s