Männer sind auch nur Menschen (Markus)

Papa, Du bist eine Frau!“ Als Helene mir das neulich um die Ohren knallte und sich dabei köstlich beömmelte, fuhr mir der Schreck durch die Glieder: Ich, eine Frau? Helene wollte mich ärgern, klar – aber wie kam sie gerade auf diesen Spruch? Sie hätte ja auch sagen können: „Papa, Du bist ein Elefant!“

Ich habe mich daraufhin gefragt, ob mich die Elternzeit vielleicht etwas weiblicher hat werden lassen. Weil ich wickele wie ein Weltmeister. Weil ich gelegentlich Essen mache und auch ohne Lisa in der Lage bin, mit drei Kindern einkaufen zu gehen, ohne gleich von Schweißattacken geplagt zu werden.

Oder weiß Helene etwa, dass irgendjemand für Leute wie mich die bizarre Begriffs-Kombi „Neue Väter“ geprägt hat? Väter also, die zumindest gelegentlich die klassische Rollenverteilung durchbrechen und sich ein bisschen mehr um die eigenen Kinder kümmern als das früher meistens der Fall war. Aber deshalb gleich zur Frau werden?

Wenn es nach den Grünen geht oder besser nach einigen männlichen Grünen-Politikern, dann gibt’s bald nicht mehr Frauen, Männer und Neue Väter – sondern nur noch: Menschen. So steht es jedenfalls im „Männer-Manifest“, das bereits im April vorgestellt wurde. Wörtlich heißt es da: „Wir Männer sehen, dass unsere Gesellschaft noch immer von einem tief sitzenden Geist der geschlechtlichen Polarität durchflutet ist, der Frauen auf Weiblichkeit und Männer auf Männlichkeit reduziert. Damit muss endlich Schluss sein. Wir wollen nicht länger Machos sein müssen, wir wollen Menschen sein!“

Ja, nur zu, möchte man ihnen zurufen: Seid endlich mal Menschen, Ihr grünen Machos!

Aber wer oder was ist denn überhaupt ein Macho? Die Manifest-Autoren erklären dazu, es sei nicht naturgegeben, dass ein Mann Kfz-Mechaniker lernt. Ja, ach! Darf er denn trotzdem Kfz-Mechaniker werden, wenn er keine Lust darauf hat, Hebamme zu werden?

Die Intention der Autoren ist ja gar nicht so schlecht: weg mit der klassischen Rollenverteilung, weg mit dem damit verbundenen Druck. Frauen als auch Männer, heißt es, leiden unter den enormen gesellschaftlichen Anforderungen, die ihnen auf Grund ihres Geschlechts abverlangt werden.

Aber deshalb gleich „männlicher Feminist“ werden, wie die Autoren verlangen und sich womöglich schämen für etwas, was seit Jahrhunderten vor allem Männer tun?

Wenn Helene noch einmal zu mir sagt: „Papa, Du bist eine Frau!“ werde ich entgegnen: „Nein, Papa ist Feminist. Und deshalb geht Papa heute Abend in die Kneipe: Champions-League-Finale gucken.“

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Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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Eine Antwort zu Männer sind auch nur Menschen (Markus)

  1. Stephan schreibt:

    Komme gerade vom Forschungszentrum Jülich, u.a. Neurologie. Das Einparken eines Autos wird bei Frauen in einer anderen Hirnregion organisiert, als bei Männern. Klassisches Konflikt-Gefüge. Das Ziel ist dasselbe, wird aber unterschiedlich gemanagt. Es gibt Wickler und Entwickler, Geschlecht egal, Hauptsache, die Griffe sitzen und es läuft nix raus. Aber Helene erstaunlich beobachtet: da könnte ein Zielpunkt sein und da piecke ich rein, erstaunlich und wahr.

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