Logistische Hürden (Lisa)

Mobil sein mit kleinen Kindern? Kein Problem, schreiben Ratgeber. Großes Problem, schreibt das Leben.

Es beginnt beim Supermarkt, in dem man nur an der „Behindertenkasse“ zahlen kann, wenn es denn eine gibt, weil ansonsten nämlich rechts und links nicht genug Platz ist für unseren breiten Zwillingswagen.

Taxifahren geht auch nicht mehr, weil kein Taxi drei Kindersitze mit sich führt. Wenn wir aber unsere drei eigenen Sitze mitnehmen würden, stünde ich am Zielort mit drei Kindern und drei Sitzen da. Ohne Sitze nehmen mich Berlins Taxifahrer aber nicht mit. Was sollen wir tun? Zu Hause bleiben oder … S-Bahn fahren.

Das wiederum ist kein Problem, zumindest nicht, wenn wir an Bahnhöfen aussteigen, an denen ein Fahrstuhl existiert. Nur: Selbst wenn der existiert, heißt das noch lange nicht, dass er uns auch wirklich den Weg zurück in die Freiheit ermöglicht, denn meist ist er „zur Zeit außer Betrieb“. Und wer der Passanten hat schon Lust, einen breiten Zwillingswagen mit Wickeltaschen, zwei 16-Kilo-Kindern und dem ganzen Buddelzeug zu schleppen? Vielleicht ein freundlicher Bodybuilder, aber wer denkt denn an mich? Für mich ist das auch nicht gerade leicht, im wahrsten Sinne des Wortes.

Das nächste Problem: fliegen. Man darf als Erwachsener nur ein Kind unter 2 Jahren mitnehmen. So sind die Vorschriften. Wo soll ich also den zweiten Zwilling lassen, wenn mein Mann arbeitet, ich aber zu den Großeltern aufbrechen möchte um mich mal wieder ein paar Tage zu entspannen? Verflixte Lage, aber gegen Gesetze bin ich machtlos, also muss ich beim Fliegen eben immer jemanden dabei haben. Der darf dann mit dem anderen Zwilling aber nicht etwa neben mir sitzen, damit eine gelegentliche Kommunikation möglich wäre. Nein. Zwei Kinder unter zwei Jahre dürfen nicht einmal in einer Reihe sitzen. Sicherheitsbestimmungen. Also höre ich, während ich einen Zwilling auf dem Arm habe, meine Tochter neben mir sitzend (über Zweijährige bekommen schon einen eigenen Sitz, kosten dementsprechend auch schon mehr) den anderen Zwilling aus einer anderen Ecke des Flugzeugs auf dem Arm meines freundlichen Begleiters schreien. Ich bekomme also nicht nur meinem Zwilling gegenüber ein schlechtes Gewissen, sondern auch der betreuenden Person. Ruhe bewahren also und mit dem Töchterchen quatschen. Die sieht die Stewardess, die eine Art Schal um den Hals gewickelt hat und sagt: „Guck mal Mama, die hat ein Spucktuch an“. Schön also, dass wir zumindest Humor im Gepäck haben, für den keine Extrakosten berechnet werden.

Wäre noch die Möglichkeit des Transports auf dem Fahrrad. Die Kleinen hinten in den Anhänger, die Große auf dem Fahrradsitz hinter mir. Aber: Wenn ich dann kurz in einen Laden springen möchte, haben wir wieder den Salat. Ich muss die Große abschnallen, weil das Fahrrad umkippt, wenn hinten ein Kind drauf sitzt. Das wiederum führt zu Neidanfällen bei den Jungs, die wollen auch aussteigen. Entweder ich gebe dem nach und habe schließlich den kompletten Super- oder Drogeriemarkt verwüstet, weil ich nicht gleichzeitig einkaufen UND auf sechs kleine Kinderhände achten kann, die den Laden ausräumen. Oder ich lasse die Kinder allein draußen und kann drinnen im Laden schon die ersten Tropfen spüren, die von ihren Tränenfontänen ausgehen. Kiezgeschrei in Wir-rufen-gleich-das-Jugendamt-Qualität.

Das Auto rühre ich erst gar nicht an, wenn ich mit den Kindern unterwegs bin. Denn bis ich rund um den Helmholtzplatz einen Parkplatz gefunden habe, hat Helene „eingepullert“, wie sie so schön sagt, die Jungs haben Hunger oder mit dem vorhandenen Essen die Sitze und Fenster eingerieben, nein danke.

Was ich mit all dem sagen möchte? Dass mich bitteschön niemand mehr dafür belächeln soll, wenn ich ihm erzähle, dass ich es noch höchstens einmal im Monat über die Prenzlauer Berger Kiezgrenzen hinaus schaffe. Zu Hause ist es ja schließlich auch ganz schön.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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Eine Antwort zu Logistische Hürden (Lisa)

  1. Stephan schreibt:

    Oh Du Arme ohne genug Arme

    die versperren Dein Leben, aber die Zeit ist absehbar, wo sie es wieder öffnen. Sage ich aus altväterlicher Erfahrung, habe selbst zwei, auf die es zutraf und zutrifft.

    Für den Nachwuchs, Stephan

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