Zahlen bitte! (Lisa)

Mit Kindern durchlebt man ja immer so genannte Phasen. Solche, in denen man wegen durchbrechender Babyzähne wenig schläft, andere des Kindstrotzes mit Auf-den-Boden-werfen-und-brüllen und so weiter. Helene befindet sich derzeit in der Phase der Zahlen. Sie hält Zahlen für etwas, mit dem man wichtige Dinge unterstreichen kann und dadurch entstehen unvergessliche Sätze wie:

„Mama, ich hab 600 Hunger, echt!“

Oder:

„Mama, wir haben heute aber ganz schön viel erlebt. 120!“

Oder:

„Mama, wenn ich aufwache sollst du auch noch an meinem Bett sitzen. Versprichst du das? 700 ganz in echt?“

Dabei verzieht unser Töchterlein derartig theatralisch das Gesicht mit hochgezogenen Augenbrauen und ernster Miene, das man gar nicht anders kann, als ihr den Gefallen zu tun, den sie verlangt oder eben die Situation so einzuordnen, wie sie sie empfunden hat. Ich hoffe dann, dass sie sich auch später mit solchem Enthusiasmus für Zahlen interessieren wird.

In Zeiten, in denen wir laut Süddeutsche Zeitung Magazin Abschied nehmen müssen von der schönen Zahl EINE MILLION, weil die Staatsschulden und vieles mehr nur noch in Milliarden und Billionen gezählt werden können. Alles Werte zu denen wir überhaupt keinen Bezug mehr haben. Für Helene wird die Million wahrscheinlich später nur noch ein Klacks sein. „Was? Ihr habt Euch damals für eine lächerliche Million in einer Quizshow vorführen lassen, hahaha“, wird sie dann überheblich raunzen.

Aber mit ihren fast vier Jahren interessiert sie die Million noch nicht. Sie kümmert sich in der aktuellen Phase lieber um die Hunderter. Und die setzt sie immer gekonnter ein. Gerade sagte sie mir: „Mama, zu meinem vierten Geburtstag lade ich 160 Kinder ein.“ Als ich ihr daraufhin erklärte, dass dann aber wahrscheinlich jedes Kind nur eine Wurst essen könnte, änderte sie ihre Meinung. „Okay, dann lade ich doch nur drei Kinder ein.“ Das nenne ich Logik.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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