Tagesende (Lisa)

Ich muss das hier jetzt alles mal aufschreiben, so lange es noch frisch und aktuell ist. Keine weitere Minute soll das vergessen machen oder verfälschen, was ich gerade mal wieder an Katastrophen erlebt habe. Ich komme soeben schweißgebadet aus dem Kinderzimmer und das hat nur bedingt mit den sommerlichen Außentemperaturen zu tun.

Um Punkt 19 Uhr schaute ich heute Abend auf die Uhr und dachte: Jawoll, wieder einen Tag geschafft, gleich hab ich Feierabend. Denn auch wenn das Ins-Bett-Bringen unserer drei Kinder allabendlich ein Wahnsinns-Akt ist, setzt die Aussicht auf baldigen Feierabend doch meist noch einmal ungeahnte Kräfte frei.

Die Bolognese-Sauce war also fein auf allen Kinder-Shirts verteilt und ich verfrachtete meine kleine Crew ins Badezimmer. Ich ließ Badewasser einlaufen und setzte ein nacktes Kind nach dem anderen in das warme Nass. Große Freude allerseits. Zunächst.

Als ich Paul kurz vor dem Ertrinken rettete, weil er ausgerutscht war, da bekam ich nämlich nicht rechtzeitig mit, dass Franz das kleine Shampoofläschchen aufgedreht bekommen hatte. Ich sah, wie er das Fläschchen ansetzte und schlug es ihm gerade aus dem Gesicht, als er schon einen riesigen Schluck dieser klebrigen Zähmasse im Mund hatte und ihn schnellstmöglich runterschluckte.

Ja, ich dachte wirklich so etwas gäbe es nur im Film, aber mein Kind saß da und Blasen bildeten sich vor seinem Mund. Große bunte Seifenblasen. Er würgte. Ich versuchte, mit Wasser auszuwaschen, was nicht mehr auszuwaschen war. Er kreischte.

Ich hob ihn aus der Wanne, rubbelte mit dem Handtuch seine Zunge ab, gab ihm einen Rest Nutella-Brötchen zur Neutralisierung und hob mit der anderen Hand Paul aus der Wanne, der natürlich prompt mal wieder ausgerutscht war und drohte, zu ertrinken. Während Franz weiter würgte und weinte, verzog sich Paul heimlich ins Nebenzimmer, bis ich es krachen hörte und er weinend in seiner eigenen Pipi-Pfütze saß. Er war auf seinen eigenen Hinterlassenschaften ausgerutscht. Klar, er war ja noch nackt und ohne Windel.

Ich nahm ihn hoch, schwenkte ihn also noch einmal durchs Badewasser, Franz würgte weiter, Helene betrachtete das Ganze wie eine Zirkus-Vorführung und ich musste jetzt also auch noch irgendwie das Pipi aus meinem Schlafzimmer wischen. Das tat ich aus Verzweiflung mit dem Handtuch der Kinder und zurück im Bad hatte Franz sein gerade verdautes Nutella-Brötchen fein säuberlich vor sich erbrochen.

Ich wischte also weiter, zog Pipi-Paul an und Shampoo-Franz erbrach sich zwei weitere Male, bewegte sich dabei aber so ungeschickt, dass er gleichzeitig Dusche, Mülleimer und Badezimmer-Teppich traf. Gottseidank konnte ich dabei große Teile des Shampoos wiederentdecken, so dass ich die Herren danach beruhigt mit ihrer Flasche Milch ins Bett legen konnte. Fehlte nur noch Helene.

Die zog sich an, puzzelte mit mir das schwerste Puzzle, das sie hatte („Mama, das hattest du mir versprochen!“), und bekam dann im Bett neben den Jungs einen solchen Kreischanfall, dass ihre Brüder umgehend wieder aufwachten. Der Grund? Ihre Milch hatte die falsche Temperatur.

Alle Kinder schrien, ich turnte von einem Bett zum nächsten – hätschel hier, hätschel da – und als die Jungs endlich wieder schliefen und ich mich wie ein nasser Sack neben Helene ins Bett fallen ließ, da schluchzte sie in mein T-Shirt und ich holte tiiiief Luft. In meinem Ohr begann es zu fiepen und ich überlegte, ob ich mir jetzt ausnahmsweise mal ein Schnäpschen gönnen sollte. Zum Feierabend. Aber nee, geht ja nicht… erstmal muss das Schlachtfeld im Bad beseitigt werden. Und dann: Gute Nacht!

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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6 Antworten zu Tagesende (Lisa)

  1. Subito schreibt:

    Ich glaub meine Mum hat 3 Kreuze gemacht als die ersten beiden ausgezogen sind und der letzte aus dem Alter raus war… Irgendwie hab ich jetzt im Nachhinein Mitleid mit ihr, wenn wir und gegenseitig Loecher in die Koeppe gekloppt haben…

  2. rrho schreibt:

    I feel your pain. Seriously. Süße Träume.

  3. ankelilli schreibt:

    Wie sehr ich mich doch wiederentdecke. So tragisch das alles ist, so wunderbar ist es doch zu lesen. Na gut, nur so lange, wie meine drei nicht genau das selbe Schauspiel veranstalten.

    LG Anke

  4. Sabine schreibt:

    Wunderbarer Alltag!🙂 Sowas kenne ich auhc. @Anke: Ich erinnere mich da finster an ein Friseurspiel …😉

    LG Sabine

  5. Rainer schreibt:

    Fast hätte ich geschrieben: „Mehr davon!“🙂

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