Cremiger Sieg (Lisa)

Und ich wollte noch traurig sein. Paul war krank geworden und ich konnte das Viertelfinale Deutschland gegen Argentinien also nun nicht mit Freunden schauen. Sollte ich jetzt also allein vor dem TV den Untergang unserer Nationalmannschaft sehen?

Da hatte ich aber nicht mit meinen Kindern gerechnet! Bei 38 Grad Sommertemperatur wäre es ja eh zu heiß für public viewing gewesen, also saß ich auf der Couch mit meinen drei kleinen Fans drumherum und ich sang für sie die Nationalhymne mit, denn den Text hatten sie bis dahin noch nie gehört. Zunächst noch skeptisch, stellten sie sich schließlich als die wahren Fans der deutschen Nationalmannschaft heraus. Was für eine Stimmung, als in der dritten Minute das erste Tor für Deutschland fiel! Da war dann auch das Eis für die Kinder gebrochen. Sie sahen leicht verwundert ihre hysterische Mutter jubelnd auf den Couchtisch hüpfen und „Toooor, Tooor, Toooor“ brüllen.

Sie äfften mich nach, tanzten, kreischten, drehten sich im Kreis, hüpften und setzten mir ein selbstgebasteltes Cappy auf den Kopf. Ich hatte es verdient! Der Jubel wich einer knisternden Spannung. Argentinien wurde stärker und die Kinder spürten das: „Mama, darf ich ein Schokobon?“, fragte Helene. „Sonst stell ich mich vorn Fernseher, dass du nichts mehr siehst.“ Okay, okay. Ich versprach für jedes deutsche Tor ein Schokobon für jedes Kind. Und dann geschah das Unfassbare.

Toooooor. 2:0 für Deutschland.

Tooooooor. 3:0 für Deutschland.

Toooooooor. 4:0 für Deutschland!

In Prenzlauer Berg wurde ein Silvesterfeuerwerk der Extraklasse gezündet. Die Menschen jubelten und schrien, hupten und vuvuzelaten vor unserem Balkon, während bei uns ein dezentes, rhythmisches Summen einsetzte.

Sch-sch sch-sch.

Drei kleine Kinder putzten sich die Zähne.

Nicht schlecht, nicht schlecht, nach insgesamt zwölf Schokobons…

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Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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