Spagat (Lisa)

Diese permanente Lebensgefahr. Nerven zerreibend. Zwillinge zu haben bedeutet, tagtäglich den Spagat zwischen Leben und Tod zu wagen. Klingt übertrieben, ist aber statistisch belegt.

In dem Buch „Auf einmal zwei“ von Angela Grigelat über das Leben mit Zwillingen steht es schwarz auf weiß: In Haushalten mit Zwillingen passieren doppelt so viele Alltagsunfälle wie in Familien mit Kindern verschiedenen Alters. Übrigens steht in eben jenem Buch auch, dass die Scheidungsrate von Zwillingseltern sehr viel höher liegt, als bei Eltern von „Einlingen“, aber dazu ein andermal.

Wenn ich mit den Kindern auf dem Spielplatz bin, kommt es immer wieder zu Situationen, in denen ich auf die Hilfe und die Aufmerksamkeit anderer Eltern angewiesen bin. Helene ist groß genug, sich selbst zu helfen, aber bei Paul und Franz gibt es immer wieder Engpässe. Der eine möchte aus drei Meter Höhe rutschen („Neiiiin, nicht im Stehen!!!“), der andere öffnet die Spielplatzpforte zur viel befahrenen Straße. Wen beschütze ich zuerst?

Den, den ich als erstes zu packen kriege. Natürlich. Und dann darauf hoffen, dass jemand anders dem anderen hilft, ihn von der Straße zieht und ihn heil zu mir zurückbringt. Es geht hier nicht um Einzelfälle, sondern um die täglich mehrfache Gefahr von Unfällen.

Hätte ich drei Kinder nacheinander bekommen, hätte ich die vernünftige Große (4 Jahre alt), könnte mich um einen Rowdy (2 Jahre alt) kümmern und hätte das kleine Dritte (O Jahre alt) im Tragetuch dabei.

Nun, da wir zwei Rowdys gleichzeitig zu betreuen haben, steht man immer wieder vor diesen schwerwiegenden Entscheidungen, die in Bruchteilen von Sekunden getroffen werden müssen. Zwillingseltern hören dann oft den immer selben Spruch: „Ach, jetzt ist es vielleicht anstrengend, aber später spielen die zusammen und dann wird’s viel besser.“

Als ich mich neulich mal wieder mit zwei anderen Zwillingsmüttern zufällig auf dem Spielplatz traf, da sagte mir eine ganz ehrlich: „Dass das irgendwann weniger anstrengend wird mit den Zwillingen, das sagen die Leute immer nur so. Fakt ist, es WIRD NICHT BESSER. Es kommen noch zweimal Schulverweigerer, zweimal Pubertät, zweimal Auslandsaufenthalt und so weiter.“

Ist natürlich manchmal blöd, so ehrlich zurück auf den Teppich geholt zu werden. Und es mag ja auch stimmen, dass es anstrengend bleibt, aber wissen Sie… wer außer Zwillingen hält abends im Bett solch schöne Unterhaltungen wie:

„Aui?“

„Aui.“

„Aui?“

„Aui.“

Hin und her wie beim Ping Pong. Gestern abend geschehen. Und morgens, wenn sich die Brüder ein Küsschen zur Begrüßung des geliebten Ebenbildes geben. Oder wenn sie Händchen haltend über die Wiese rennen, mit der großen Schwester im Schlepptau. Oder gegenseitig „Ei“ sagen und den Arm des anderen streicheln, wenn der sich verletzt hat. Oder einfach mal zwanzig Minuten Playmobil an die Wand werfen und sich dabei vor Lachen in die Windel machen. Es gibt viele solcher Beispiele. Von Situationen, die allein einfach nur halb so lustig wären…

Das Leben mit Zwillingen ist eben nicht nur ein Spagat zwischen Leben und Tod, sondern auch einer zwischen Anstrengung und Glück.

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Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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