Ungleichberechtigung (Lisa)

Frauen haben ja auch heute noch oft die größte Last im Familienalltag zu tragen. Sie fungieren als Managerinnen eines mehrere Mitarbeiter zählenden Unternehmens (Partner, Kinder, evtl. Kinderbetreuungs- oder Haushaltspersonal) und müssen Profis im Multitasking sein, um gleichzeitig die Kinder zu beschäftigen während sie kochen, dem Gatten zuzuhören während sie Windeln wechseln und so weiter.

Über diese Ungleichberechtigung hört man immer wieder Klagen. Das klingt dann oft so: „Alles muss ich allein machen…“ Dabei helfen die Männer heutzutage ja schon mehr mit als noch in der letzten Generation. Aber: Vielen reicht es eben nicht, dass Väter zwar Elternzeit nehmen, aber dann eben oft nur für zwei Monate. Der Rest bleibt oft an der Mutter hängen, selbst wenn diese zusätzlich zum Familienmanagement noch einer beruflichen Betätigung nachgeht.

Wie oft habe ich gehört, dass sich Männer beschwerten, dass ihre Frau überhaupt nicht mehr mit ihnen ausgeht. Und wissen Sie, was die Frauen dazu sagen? Dass sie, wenn sich ihr Mann mal bequemt sie am Abend einzuladen, die komplette Organisation vorher selbst übernehmen müssen. Das geht dann so:

Er: „Schatz, ich würd mit dir gern mal essen gehen! Organisierst Du den Babysitter? Ach, und kannst du schnell noch den Tisch reservieren?“

Sie: „Nein danke.“

Dass Frauen auf solche Zusatzarbeit für eine ach so nett gemeinte Geste keinen großen Wert legen, ist nur verständlich.

Aber: Die Ungleichverteilung in den familiären Frauen- und Männeraufgaben in vielen heutigen Familien kann auch wirklich Gutes mit sich bringen.

Eine Frau, die sich sonst ärgert, dass ihr Mann täglich mit Stolz geschwellter Brust den Kollegen die süßen Kinderfotos SEINER Brut präsentiert, während sie selbst die gesamte „Aufzucht und Brut“ allein bewältigen muss. So eine Frau freut sich dann doch womöglich ab und zu, wenn die Rollen relativ klar verteilt sind. Zum Beispiel, wenn im eigenen Haus eingebrochen wurde.

Dann ist ein Mann ein Mann. Er kann fluchen, Sherlock Holmes spielen und seine Frau beschützen, die sich wie ein kleines Mädchen fürchtet und weinend an seine Schulter lehnt. Der große Beschützer ist dann geweckt und die eigentlich ach so taffe Familienmanagerin lässt sich dann gern mal die Tränen vom Oberhemd trocknen und mit folgenden Worten ihres Partners abspeisen: „Wenn ich DEN kriege! Hab keine Angst, das kriegen wir schon wieder hin. Ich sorge dafür, dass wir wieder sicher wohnen können.“ Der Frau geht das in dem Moment runter wie Öl. Ich bin nicht allein. Ich werde beschützen. Ich kann mich fallen lassen. Auch wenn sie zwei Gedanken später einen Primaten vor dem inneren Augen hat, der sich auf die Brust klopft – genau das will sie so in dem Moment: Einen Retter in der Not.

Die schönsten Schnulzen schreibt scheinbar das Leben selbst. Und mal zugegeben: Im Fernsehen gucken wir selbst ja ganz gern den ganzen Schmalz. Zumindest manchmal – wenn der Mann mal die Kinder ins Bett bringt und auf dem Rückweg zum Sofa die selbstgekochten Dips vorbeibringt.

„Darf`s noch was sein?“

„Nein danke.“

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Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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Eine Antwort zu Ungleichberechtigung (Lisa)

  1. Rainer schreibt:

    Ich folgere:
    Solange die Anzahl der Wohnungseinbrüche unter der Anzahl der gewechselten Windeln liegt, solange gibt es keine Gleichberechtigung. Mehr Einbrüche, bitte! 😉

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