Große Kinder (Lisa)

Ich freue mich wirklich über jede Schwangerschaft und Geburt an der ich nicht selbst beteiligt bin. Ich fiebere mir, ich leide mich ich freue mich mit. Aber: seelische Beteiligung ist eben etwas ganz anderes, als körperliche.

Ich bin glücklich, dass ich mich nicht…

  • …fühlen muss, wie vom LKW überfahren, weil mich die Schwangerschaft so müde macht (Bekannte 1)
  • …fürchten muss vor einem Magengeschwür, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass es wirklich an der Schwangerschaft liegt, dass ich nichts bei mir behalten kann (Bekannte 2)
  • …auf einem Plastik-Gummiring sitzen muss, um meine Dammnaht zu schonen, weil die Geburt erst wenige Tage hinter mir liegt (Bekannte 3)
  • …jede Nacht alle anderthalb Stunden aufraffen muss, um mein Kind zu stillen (Bekannte 4)

Ihr Lieben vier Bekannten, ich freue mich so für Euch! Wirklich, ich halte gern Euer Händchen, ich schaue mir gern stundenlang mit Euch das süße Stupsnäschen Eures winzigen Nachwuchses an, aber ich freue mich auch, dann wieder nach Hause zu meiner Meute zu fahren, die schon:

  • selbst laufen kann (mein Rücken sagt danke)
  • selbst feste Speisen zu sich nehmen kann (ich muss zwar nach jeder Mahlzeit wischen, aber während des Essens hab ich Ruhe)
  • die „Aua“ schreit, wenn etwas weh tut und „Bah“ ruft, wenn die Windel voll ist (immerhin weiß ich dann, wo es brennt und muss nicht rätseln, was los sein könnte)

Meine lieben Kinder, heute freue ich mich einfach mal, dass ihr schon so groß seid. In der letzten Woche trafen wir uns mit zwei weiteren Zwillingsmüttern und ihren Kindern. Ein Zwillingspaar acht Monate alt, eines knapp über ein Jahr, also deutlich jünger als alle meine Kinder. Eine Mutter rannte von links nach rechts, weil die Zwillinge grad krabbeln gelernt hatten. Die andere lief von A nach B weil die Kleinen grad laufen gelernt hatten. Alle wollten dauernd die Kieselsteine vom Boden essen. Ich saß ruhig in der aufgebrachten Müttermenge und sah zu, wie meine Kinder sich selbst ein Nutellabrot schmierten. Selig über meine großen Kinder.

Ich hörte nur ganz entfernt die besorgten Stimmen der anderen Mütter: „Was? Deine Kinder dürfen schon allein mit Messern hantieren?“ Das kann mich gar nicht mehr vom Hocker hauen. Nach zwei Jahren Angst vor Kieselsteinen im Mund.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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