Helmut (Lisa)

In was für einer Welt leben wir eigentlich? Ehrlich gesagt, in einer teils ganz schön lustigen. Besonders Menschen, die es mit Kindern zu tun haben stoßen immer wieder auf Dinge, die sie schmunzeln lassen.

Es beginnt damit, dass man doch trotz neunmonatiger Schwangerschaft relativ abrupt aus seinem alten Leben gerissen wird, wenn man sich plötzlich in einer Gruppe anderer Eltern wiederfindet, sein Kind in Fliegerhaltung (auch „Pups-Haltung“ genannt) auf dem elterlichen Unterarm liegend im Kreis durch einen Raum trägt und dabei feste mit den Füßen stampft während man laut lustige Lieder über dicke Elefanten singt.

Ich persönlich hoffte dabei immer, dass bloß keine Menschen aus meinem „alten“ Leben an der Schaufensterscheibe der Prenzlauer Berger Popelbühne in der Dunckerstraße vorbeigehen würden, durch das sie mich als Elefant stampfend hätten sehen können. Sie hätten das nicht verstehen können, ich verstand es ja selbst nicht so recht und sie hätten mich kampflos meinem „neuen“ Leben übergeben müssen.

Diese Menschen haben mich gott sei Dank nie dabei gesehen und so können wir uns nun doch noch gemeinsam über Dinge echauffieren, die mein „neues“ Leben so viel angenehmer gestalten sollen, die aber eigentlich alles nur noch absurder machen. Meine „alten“ Freunde können mir nun also helfen, trotz des Überangebots in der Babywirtschaft auf dem Teppich der Tatsachen zu bleiben, was wichtig ist, bei der Produktpalette.

Da gibt es zum Beispiel, erhältlich etwa im In-Mutti-Laden „Rasselfisch“ in der Rykestraße, das High-Tech-Gerät „Lolaloo“. Cooler Name, was? Noch cooler ist das, was sich dahinter verbirgt. Es ist nicht weniger als eine motorisierte Einschlafhilfe. Jawohl. Wenn Papa keine Lust mehr hat, den Kinderwagen mit dem Nachwuchs auf und ab zu wippen, während er sich seinen Latte Macchiato im „Anna Blume“ in der Kollwitzstraße einverleibt, dann hilft Lolaloo. Es ist eine abgerundete Stange, etwa so lang wie ein Pups-Unterarm mit lustigen bunten Punkten drauf, das an den Schiebegriff des Kinderwagens geschnallt wird. Batteriebetrieben sorgt es sanft für Wippbewegungen und führt das Baby garantiert in einen automatisierten Wonneschlaf.

Aber nicht nur in der Stadt gibt es solche Knaller an Innovationen. Im Urlaub in einem Dorf, in dem es mehr Kühe als Einwohner gibt, stehe ich in einem Drogeriemarkt und muss mich zwischen gefühlten 18 Schnullersorten entscheiden. Ich wähle schließlich zwei verschiedene, die auf den ersten Blick gleich aussehen. Auf dem einen steht „Original“, auf dem anderen „Night“. Ich denke, sehr gut, kann aber keinen Unterschied erkennen. In der Nacht dann die erstaunte Erkenntnis: Der „Night“-Schnuller ist aus fluoreszierendem Material. Er leuchtet also in der Dunkelheit, so dass man ihn bei Verlust im Dunkeln sofort wiederfindet. Ich bin begeistert, ob dieser Logik und simse noch in der Nacht meinen Großstadtfreunden von der hippen Sensation.

Ich schreibe mit dem T9-Programm und möchte folgenden Text von mir geben:

Hey, ich hab fluoreszierende Schnuller gefunden. Sie sind der Hit. Früher musste ich jede Nacht zum Suchen alle Lichter anknipsen müssen, gott, was hab ich darüber gekotzt.

Das T9-System kennt das Wort „gekotzt“ allerdings nicht und bietet mir einen ehrwerten Ersatz: helmut.

… gott, was hab ich darüber helmut. Die voll automatisierte Welt hat eben doch ein Eigenleben, sie bietet besonders in der Babybranche immer wieder Überraschungen, die uns schmunzeln lassen und täglich aufs Neue vor die Frage stellen: In was für einer Welt leben wir eigentlich?

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s