Gewissensfrage (Lisa)

Jetzt muss ich mich wirklich auch noch mit Moralischem auseinandersetzen. Als hätte ich nicht eh schon genug zu tun. Die Frage, die sich mir stellt, ist eine äußerst pikante. Muss ich jemanden verraten – mir die Uniform der Bürgerpolizistin überstreifen, um womöglich eine Familie kaputt zu machen?

Rückblick:

Ich begleite meine Kinder auf das große Klettergerüst auf dem Spielplatz. Zwei Gerüst-Ebenen gibt es. Auf der obersten fühlen sich die Kinder wie auf einem Piratenschiff, von einem Bretterverschlag geschützt vor den Blicken der besorgten Eltern. Das Gute: Von oben, kann man durch die Lücken der hölzernen Latten ungestört die Eltern beobachten. Nun saß ich also grad mit meiner Piratenschiffbesatzung und beriet über den Räuberschmaus, den wir gleich zu uns nehmen würden, da lasse ich kurz meinen Blick über den Spielplatz schweifen und sehe:

Einen Bekannten. Mit seinem Kind. Kurz bevor ich „Hallo“ rufe, sehe ich, dass der Bekannte allerdings nicht mit der Mutter des Kindes (ebenfalls eine Bekannte) unterwegs ist. Ich bleibe also in Deckung und beobachte. Diese Dame an seiner Seite ist mir jedenfalls nicht bekannt. Ein weiterer kurzer Blick und… Die Fremde küsst ihn. Umarmt ihn. Immer nur kurz, wenn das Kind nicht guckt. Ich beruhige mich: Oh, da hab ich wohl etwas nicht mitbekommen. Vielleicht haben sich meine Bekannten ja im Stillen getrennt und das geht hier alles mit rechten Dingen zu. Aber dem ist nicht so.

Noch in derselben Woche treffe ich die Bekannten. Ein Paar wie eh und je. Muss ich der Frau etwas sagen? Oder geht mich das alles nichts an? Bei einer Freundin wäre alles klar, da dürfte ich keinesfalls schweigen. Aber mit der Bekannten verbindet mich nicht mehr als ein freundliches „Hallo“ und „Wie geht’s“, wenn man sich sieht. Mehr nicht.

Nun bin ich ja ein großer Fan der Gewissensfrage im SZ-Magazin. Weil dort Dinge erläutert werden, bei denen ich selbst nicht weiß, wie ich reagieren würde. Nun stehe ich also selbst wie der Ochs vor dem Berg. Ich glaube, man kann in dieser Situation gar nicht richtig reagieren. Oder was meint Ihr?

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Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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3 Antworten zu Gewissensfrage (Lisa)

  1. ankelilli schreibt:

    Oha, schwierig. Ich denke, ich würde der Mutter des Kindes einen anonymen Hinweis geben, so kann etwas ins Rollen gebracht werden und Du brauchst nicht als „Prellbock“ herhalten. Ich fände es moralisch richtig etwas zu tun und würde es auch von einer flüchtigen Bekannten gut finden, wenn Sie mich auf eine deratige Situation hinweisen würde. Argh, Bauchweh hätte ich auch.

  2. payoli schreibt:

    Na Du hat Sorgen!!
    Mag sein, dass meine Position etwas extrem ist, aber ich denk mir, es kann doch bitte gar nicht genug geküsst und geliebt werden!
    Und Dir ins Stammbuch geschrieben:
    Überleg Dir vielleicht vor allem Deinem Tun ‚Cui bono?‘! Wem nützt das?
    Was würde es selbst Deiner Freundin nützen, wenn Du da die Blockwartin spielst? Einen Ehestreit mehr? Eine Trennung mehr? Ein paar unglückliche Leute, ein paar ‚verbulte‘ Kinderseelen mehr?
    paradise your life ! 😉

  3. andrea schreibt:

    Einen Ehestreit, Trennung oder unglückliche Leute verursacht jawohl nicht Lisa, sondern der werte Herr der Schöpfung. Wie unglaublich dreist, seine Affäre mit auf den Spielplatz zu nehmen. Vor aller Augen (und ja, man kennt sich vom Sehen am „Stamm-Spielplatz“ , wenn auch oft nur vom Sehen) und vorm Kind. Andererseits: vielleicht weiß die Frau es und toleriert? Es gibt ja auch verschiedene Arten von Beziehungen. Meine Hebamme erzählte damals, sie habe den Mann einer ihrer Wochenbettlägerigen auch knutschend mit einer anderen erwischt. Sie hat ihn zur Rede gestellt. Das solltest du vielleicht auch erst einmal tun!

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