1 + 1 = 1 ? (Lisa)

Ja, es sieht süß aus, wenn Zwillinge gleich gekleidet sind. Aber Kinder sind nun einmal nicht dazu da, um süß auszusehen. Jeder Mensch sollte das Recht haben, eine eigenständige Persönlichkeit zu entwickeln, auch wenn es jemanden gibt, der aussieht wie das eigene Spiegelbild. Meine Meinung.

Paul und Franz werden also unterschiedlich gekleidet. Trotzdem ist es für Außenstehende schwierig, diese eineiigen Herren auseinanderzuhalten.

Zu Beginn hielt ich mich strikt daran, dass Franz die dunkleren Farben trug und Paul die helleren. Nur, in einer Zeit, in der täglich Eis oder Joghurt „Mama! Alleine!“ geschlemmt werden und man täglich ca. drei T-Shirts pro Kind verbraucht, lässt sich das nicht immer durchhalten. Da freue ich mich schon, wenn ich überhaupt noch ein sauberes Hemdchen finde. Und ehrlich gesagt: Ich finde, die beiden ähneln sich auch gar nicht so arg, dass man sie ausschließlich an ihren Klamotten unterscheiden könnte. Damit stehe ich aber ziemlich allein da.

Im Kindergarten tragen die beiden mittlerweile Lätzchen mit Namensaufdruck, damit sie auch ab und zu mal mit dem eigenen Namen angesprochen werden können, statt nur mit: „Hey, Ihr Beiden“. Überhaupt diese Massenansprache: Da kommen „die Zwillinge“. Oder: „Wie geht’s euch?“ Die beiden müssen denken, es gäbe sie gar nicht allein. Im Moment mag sie das nicht allzu sehr stören. Sie lieben sich gerade heiß und innig, laufen zur Entzückung von Passanten mit ihren goldenen Löckchen oft Händchen haltend über die Straße oder legen sich – wie heute morgen – synchron neben den Frühstückstisch und strecken gymnastisch ihre Beinchen in die Luft. Aber es gibt eben auch Phasen, in denen sie sich ausschließlich gut genug sind zum Raufen, Hauen, Streiten. Doof, wenn man dann immer als gleichwertig angesehen wird, oder?

Gut also, dass Franz eine breitere Kopfform hat als Paul und Paul insgesamt ein bisschen zierlicher ist. Das jedenfalls dachte ich bis heute morgen. Ich stellte die beiden nacheinander auf die Waage, um dem Rest der Welt zu beweisen, dass es sehr wohl Unterschiede gibt – zumindest im Gewicht. Aber da hatte ich mich wohl zu früh gefreut…

Paul und Franz wiegen 12,4 Kilo. Auf die Grammzahl exakt dasselbe. Unglaublich nach knapp zwei Jahren eigenständiger Ernährung, Bewegung und Erfahrungen. Ich gebe zu: Das fand dann selbst ich als Verfechterin der individuellen Zwillingsförderung ziemlich süß.

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Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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Eine Antwort zu 1 + 1 = 1 ? (Lisa)

  1. Jaegerin schreibt:

    Thema Gewicht: Bei der letzten U-Untersuchung rat mir der Doktor bei Jakob auf die Schokolade zu verzichten. Er sei noch nicht Übergewichtig, doch die Tendenz sei schon in diese Richtung. Ich lächelte und sagte: „Da sieht man mal, wie blind wir Mütter sind – ich hatte den Eindruck, er wäre schmaler geworden.“ Zuhause schaute ich ins U-Heft. 17 Kilo stand da. Danach stand der kleine Dicke auf der Waage. 14,6 Kilo stand da!!! Ein böser Messfehler. Der Doktor hat inzwischen nachgewogen. Jetzt steht 14,4 Kilo im gelben Heft und Schokoladenschmiere klebt um Jakobs Mündchen …

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