Treten erlaubt (Lisa)

Mit Erziehung allein ist es leider nicht getan. Das weiß ich seit gestern. Denn wenn wir schon über Erziehung reden, dann müssen wir uns fragen: Über welche denn? Autoritäte, antiautoritäre, autoritative, strenge, liebevolle, gemischte?

Auf dem Spielplatz geriet Franz gestern in einen Konflikt. Er stand rückwärts auf der Leiter zu einer Rutsche, während ein anderes (deutlich jüngeres) Kind an ihm vorbei auf das Spielgerät klettern wollte.  Das war wohl nicht in Franz´ Sinne. Er holte mit dem ganzen Bein aus, wie zu einem Fußballschuss, und wollte so das andere Kind von der Leiter katapultieren. Ich schritt ein, rief “Fraaanz” und hechtete zum Ort des Geschehens. “Du lässt jetzt das Kind an dir vorbei auf die Rutsche klettern Franz, alle Kinder dürfen hier rutschen.” Er setzte wieder beide Füße auf die Leiter. Für mich war die Sache damit gegessen. Da hatte ich aber nicht mit der Mutter des anderen Kindes gerechnet.

Cool hatte sie die ganze Zeit dagesessen und mit einer Freundin gequatscht, ihr Kind keines Blickes gewürdigt. Nun kam sie angeschossen wie eine Tarantel und zischte in meine Richtung: “Mein Gott, lass die Kinder das doch unter sich ausmachen. Greif doch da nicht ein. Meinem Kind ist das Rutschen gar nicht so wichtig.”

GUT ZU WISSEN! Franz wollte deinem Kind zwar grad die Kniescheibe aus dem Bein treten, aber – hey – man muss ja auch mal erfahren, was Schmerz bedeutet, oder was? Es gibt unterschiedliche Meinungen in Sachen Erziehung. Eigentlich denke ich wirklich selten über gezielte Umgangsweisen mit dem Nachwuchs nach, meine Kinder haben viele Freiheiten, aber ich handle oft einfach intuitiv. Wenn getreten oder gehauen wird, greife ich jedenfalls ein.

Nach dem Spielplatz gestern musste ich dann doch mal länger über Erziehungskonzepte nachdenken. Oder eher: über Nicht-Erziehungskonzepte. Natürlich sollen Kinder möglichst viele eigene Erfahrungen sammeln. Das sehe ich auch so. Aber in Momenten der Gefahr sollten sich die Kinder dann doch auf den Schutz ihrer Eltern verlassen können, oder nicht? Sonst könnten wir sie ja direkt allein auf den Spielplatz schicken. Vielleicht sollte ich das der Mutter mal vorschlagen.

Beim nächsten Mal soll sie sich einfach in ein Café zwei Straßen weiter setzen. Ganz unbemerkt werde ich dann auch ein Auge auf ihr Kind haben. Und dafür sorgen, dass ihm nichts passiert.

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Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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2 Antworten zu Treten erlaubt (Lisa)

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  2. Jaegerin schreibt:

    ist doch eigentlich so einfach: hauen und treten ist doof. fertig. und wer seine kinder hauen und treten lässt ist auch doof. fertig.

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