Autoreise 21 (Markus)

Wir machen uns gelegentlich mit den Kindern auf den Weg von Berlin nach Münster, um Oma und Opa zu besuchen. Prinzipiell stehen uns dabei drei Möglichkeiten des Reisens offen: mit dem Auto, mit der Bahn oder per Flugzeug. Letzteres scheitert meist am Preis – und daran, dass wir uns oft sehr kurzfristig entscheiden, nach Münster zu fahren. Eine Woche vor der Reise sind auch die billigsten Billigflieger so teuer, dass wir die zeitlich kürzeste Variante wieder verwerfen. Und seit unsere Jungs nicht mehr als Babys durchgehen, müssen sie deutlich mehr zahlen. Sie bekommen dafür zwar auch jeweils einen eigenen Sitzplatz im Flieger – aber sitzen bleiben wollen sie eh nicht.

Bleiben also Bahn und Auto. Die Bahn ködert Familien mit einem eigenen Familienabteil in ihren ICE. Das ist eine Art durchgängiges Doppelabteil mit einem Klettergerüst, von dem die Kinder runterfallen, wenn sich der Zug in die Kurve legt oder ruckartig bremst. Aber es ist immerhin so viel Platz vorhanden, dass die Kinder herumlaufen können. Das Problem ist nur, dass man spätestens morgen ein Familienabteil reservieren müsste, wollte man Weihnachten 2011 verreisen (und selbst das ist wahrscheinlich nicht möglich, weil die Bahn heute noch nicht weiß, ob die Preise kurz Weihnachten 2011 mal wieder um 3,9 Prozent steigen oder nicht). Kurzfristig geht eigentlich nie etwas, das liegt auch daran, dass jeder und jede Plätze im Familienabteil reservieren kann, ohne eine Fahrkarte gleich mitbuchen zu müssen.

Weil wir im Großraumwagen eigentlich nur damit beschäftigt wären, zu verhindern, dass unsere Kinder anderen Fahrgästen Schokolade oder Playmobilmännchen vom Sitz klauen, entscheiden wir uns dann doch meistens fürs Auto. So auch vor einigen Tagen.

Der Preis des flexiblen Reisens per Auto ohne vorgegebene Abfahrtzeiten waren Nörgelei und Randale auf der Rückbank. Drei Kinder, festgeschnallt in ihren Kindersitzen, Schnuller oder Schokolade im Mund – das ging nur bis Magdeburg gut. Was auf den folgenden 350 Kilometern folgte, war so eine Art Autoreise 21: Proteste, Geschrei, Werfen mit Schnullern, Brötchenresten und Matchbox-Polizeiautos. Lisa und ich hatten keine Wasserwerfer zur Hand, also sind wir ruhig geblieben und haben eine Strichliste geführt. Das Ergebnis ist folgendes:

Helene hat 34 Mal gesagt: „Mir ist langweilig.“ Und 23 Mal: „Mir ist echt langweilig!“ Franz hat acht Mal seinen Schnuller in den Frontbereich gefeuert und 22 Mal gesagt: „Anhalten!“ Paul hat sechs Mal seinen Schnuller durchs Auto geworfen und 38 Mal auf sein an einer Ratsstätte erworbenes Polizeiauto gezeigt und gesagt „Tatütataauto.“ Franz hat ihm das Tatütataauto fünf Mal entwendet und Paul hat Franz daraufhin fünf Mal mit der Hand auf den Kopf gehauen. Franz hat elf Mal sein Matchbox-Motorrad verloren und so lange protestiert, bis Lisa es unter Schmerzen aus dem Fußbereich gefischt und ihm zurückgegeben hat. Immerhin hat Paul diesmal nur einmal seine Windel so ausufernd gefüllt, dass wir anhalten mussten, um sie zu wechseln.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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Eine Antwort zu Autoreise 21 (Markus)

  1. Cocoloress schreibt:

    Man merkt gleich, dass euer Mädchen schon viel vernünftiger ist als die Jungs. Was mir jedoch nicht klar werden will ist, wie ihr bei all der Action, die ihre Brüfer veranstalten, langweilig werden kann. Bitte mehr Strichlisten😉

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