Ohren zu und durch (Markus)

Wir haben es einmal selbst erlebt: Auf einem Flug von Mallorca nach Berlin fühlte sich eine Frau vom Geschrei unserer Kinder so sehr gestört, dass sie uns anschrie, wir sollten das jetzt mal abstellen. Sie beschwerte sich bei einer Flugbegleiterin über uns und unsere Kinder und nötigte ihren – peinlich berührten – Mann, doch jetzt auch einmal was zu sagen. Der drehte sich aber nur um und guckte griesgrämig.

Zwar sind wir davor und danach nie wieder angebrüllt worden, weil eines unserer Kinder angesichts des Drucks auf den Ohren laut schrie oder um sich trat, böse Blicke gibts aber regelmäßig. Das Zwischenergebnis einer Umfrage der Süddeutschen Zeitung passt da ins Bild. Die Online-Ausgabe der Zeitung fragte ihre Leser, was sie von Kindern an Bord halten und ob sie für kinderfreie Flüge sind. 40 Prozent derjenigen, die sich an der Abstimmung beteiligten, sind entweder für kinderfreie Flüge oder dafür, dass es abgetrennte Familienbereiche gibt. Eine deutliche Mehrheit (60 Prozent) schloss sich zwar den Antworten „Ich mag Kinder – auch im Flieger“ und „Ohren zu und durch“ an. Trotzdem ist auffällig, wie viele Fluggäste sich von Kindern an Bord gestört fühlen.

Weil sie ihre Ruhe wollen? Weil sie Kinder generell nicht mögen? Oder weil Vielflieger statistisch weniger Kinder haben als Viel-Bahnfahrer und deshalb mit Geschrei nicht umgehen können? Vielleicht gibt es auch noch eine andere Erklärung für die Kinderfeindlichkeit an Bord: die eigene Flugangst. Wer Schiss hat vor dem Start, wer inständig hofft, dass das Flugzeug nicht durch Luftlöcher holpert, der nimmt jede Abweichung von der Norm übersteigert wahr. Ein plötzliches Ruckeln schürt die Angst, Kindergeschrei entfacht Panik vor dem Absturz.

Deshalb, liebe Angst- und Vielflieger mit Kinderphobie: Öfter mal Bahn fahren – ist umweltfreundlicher und führt manchmal auch zum Ziel. Anders als im Airbus gibts im ICE sogar Kinderabteile. Im 1.-Klasse-Großraumwagen habt Ihr also Euro Ruhe. Vor Kindern. Aber manchmal sind die Durchsagen der Deutschen Bahn und die viele Kaffee-Bringerei ja viel nervtötender als ein paar kreischende Blagen.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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Eine Antwort zu Ohren zu und durch (Markus)

  1. Mathias Schindler schreibt:

    Ich bin als zweifacher Vater und Vielbahnfahrer (auch mit Kind) sowie langstreckenflugerprobt mit unserer älteren Tochter (damals 2 Monate und später 9 Monate alt) natürlich befangen, aber halte die Umfragen für witzlos, weil sie die Frage falsch herum stellen.

    Natürlich habe ich auch als Vater es lieber, neben mir artige ruhige Kinder zu haben, aber wenn sie nunmal Druck auf den Ohren haben, dann kümmere ich mich um meine Kleinen und schreie sie nicht an, bzw. tausche maximal noch gute Tipps mit den Eltern eines anderen schreienden Kindes aus, damit es wieder besser geht.

    Eine gute Fragestellung versucht herauszufinden *wie sehr* Menschen für sie Kindergeschrei überhaupt bei einem Flug relevanz haben, z.b. durch:

    „Wie viel Euro Aufpreis sind Sie bei einem Kurzstreckenflug bereit zu zahlen, damit Sie in einem Flugzeug außerhalb der Hörweite von Babies, Kleinkinder und Kindern unter 14 Jahren sitzen können?

    a) 0 Euro
    b) 20 Euro
    c) 50 Euro
    d) 100 Euro“

    Und dann dürfte das Zahlenmaterial anders aussehen.

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