Göttliches Knöllchen (Lisa)

Man kann nicht sagen, sie sähen wie Orgelpfeifen aus, denn: wir haben ein großes und zwei kleine Kinder. Diese Kleinen sind seit ihrer Geburt gleich groß, zur Zeit exakt 86 cm. Gestern abend durften alle in meinem Bett einschlafen. Müde lagen wir unter einer gemeinsamen Decke, es guckten vier Köpfe darunter hervor. Und dann fragte ich ganz Oberlehrerin: „Wisst ihr eigentlich, warum wir am Freitag Weihnachten feiern?“ Zur Antwort bekam ich sechs große Augen. Strahlendes Augenweiß im Dämmerlicht. Ich erzählte von der schwangeren Maria auf dem Esel und von ihrem Josef, die zur Volkszählung in die große Stadt zogen, in der sie niemand beherbergen wollte. Eine tolle Einschlafgeschichte, wenn man nicht damit beginnt, dass dann ein Baby zur Welt kommt, dessen Geburtstag wir an Weihnachten feiern, und dass es in eine Futterkrippe gelegt wurde. „Haben die Ochsen und Esel das dann gefressen?“, fragte Helene (4). „Nein! Haben sie nicht. Das war doch das Jesuskind. Es wurde gesagt, das sei der Sohn Gottes.“

Stille.

Helene: „Wo ist denn Gott jetzt?“

Ich: „Na, vielleicht ist der ja hier überall, wie Luft oder er ist klitzeklein und krabbelt uns unbemerkt über die Arme bis zum Hals.“ (Ich kitzele sie dabei)

Sie: „NEIN! Der ist im Himmel. Das weiß ich. Und der kommt immer nur runtergeflogen, wenn die Leute tot werden. Dann vergräbt der die. Aber das Loch gräbt jemand anderes. Aber der Gott rennt immer weg, wenn man den sehen will, dabei hat der gar keine Beine und gar keine Augen, mit dem kann man leider auch gar nicht reden.“

Ich: „Na, aber vielleicht kann man doch mit ihm reden. Manche Leute beten ja auch. Die sagen dann: `Lieber Gott, bitte mach, dass Helene morgen kein Fieber mehr hat.` Und wenn du dann am nächsten Tag ohne Fieber aufwachst, dann war das vielleicht ein Zeichen.“

Sie (nachdenklich): „Ja, und wenn ich dann trotzdem noch Fieber hab? Bekomme ich dann einen Strafzettel?“

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Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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2 Antworten zu Göttliches Knöllchen (Lisa)

  1. Tom Holloway schreibt:

    Hallo ihr! Ich habe gerade den Artikel in der Berliner Morgenpost gelesen, sehr interessant ^__^ Ich selbst habe keine Kinder, aber wenn man das so liest…scheint ganz schön anstrengend zu sein, eine Familie zu haben. Überwiegen denn die guten oder die schlechten Zeiten? Ich lese oft die Artikel der Familien-Seite in der Berliner Morgenpost, ja, man bekommt den Eindruck dass die meisten Familien im Prenzlauer Berg eher keine Freude an ihren Kindern oder Partnern haben. Ist das Leben dort so schwer? Viele Grüße aus Charlottenburg bzw. Seoul! Tom

  2. Sarah schreibt:

    Moin,

    mh… ich frage mich gerade, warum eigentlich alle Eltern ihren Kindern von Gott erzählen… Bzw. ihr macht es hier. Glaubt ihr selbst an Gott? Ich hätte in einem Nebensatz noch erwähnt „wenn es ihn überhaupt gibt“.. oder sowas. Das soll kein Ratschlag sein, ich wollte es einfach nur mal loswerden.
    Ansonsten habe vom aktuellsten Post bis hierhin alles gelesen und manchmal echt gelacht. Obwohl ich keine Kinder habe und nur mal für ein halbes Jahr im Prenzlauer Berg gewohnt habe. 🙂

    Gruß
    sarah

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