Die Leiden der jungen L. im Schnee (Lisa)

Der Winter bedeutet für mich: Knast. Bis zum Bäcker reicht meine Leine, weiter komm ich nicht. Das liegt an meiner elektronischen, nee pardon, an meiner kindlichen Fußfessel. Ich habe nämlich gar nichts verbrochen, außer dass ich drei schneehassende Kinder zur Welt gebracht habe. Ich habe es mit Zwiebelschichten versucht, mit teuren Lammfell-Fußsäcken, es ist nichts zu machen. Sobald ich die Wohnungstür öffne, beginnen die Herrschaften zu schreien. „Kalt, kalt, kaaaaalt.“

Ich möchte heute abend gern Nudeln mit Bolognese-Sauce essen. Geht nicht. Bis zum Supermarkt komme ich nicht. Ich möchte meinem Mann gern eine Kleinigkeit zu Weihnachten kaufen. Geht nicht. Bis zu den Allee Arcaden komm ich erst recht nicht. Wenn wir draußen sind, schreien alle und ich habe irgendwann auch Lust dazu, wenn ich zwei panisch brüllende Kinder plus Einkaufstüten im Zwillingskinderwagen einhändig durch den Schnee drücken soll, während ein drittes Kind meinen Arm besetzt und mir schmerzhaft das Trommelfell reizt.

Nun ist es ja aber leider so, dass man auch im Winter mal raus muss. Die Kinder wechseln zum Januar in eine neue Kita und dafür brauchen sie eine Kitatauglichkeitsbescheinigung (ja, die brauchen sie, obwohl sie schon längst in eine andere Kita gegangen sind). Aber nicht nur das Wort ist merkwürdig, sondern auch seine Konsequenzen. Die Bescheinigung darf bei Kitaeintritt nicht älter als fünf Tage sein. Die Kita startet am 3.1. Na, jetzt nennen Sie mir mal einen Kinderarzt in Prenzlauer Berg, der zwischen dem 30.12. und dem 3.1. geöffnet hat! Heißt: Am ersten Montag des neuen Jahres werde ich noch vor Kitabeginn mit drei kreischenden Kindern (ja, der Kinderarzt ist weiter entfernt als der Bäcker) in eine Arztpraxis voller keimender Kinder gehen müssen. Ich habe heute mit anderen Eltern telefoniert, deren Kinderarzt die Bescheinigung einfach vordatiert hat und die Eltern nach einem kurzen Blick in den Impfpass hat fortziehen lassen. Kostenlos. Mein Arzt tickt da scheinbar anders. Ich soll pro Kind 45 Euro zahlen. Sind 135 Euro insgesamt. Wie gut, dass ich das Geld dank Fufessel am Weihnachtsgeschenk für meinen Mann sparen kann.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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2 Antworten zu Die Leiden der jungen L. im Schnee (Lisa)

  1. Jaegerin schreibt:

    Und mal wieder kann ich mich nur wundern. Über die Bescheinigung, die Kosten und den Datumsmumpitz. Du armes Schneehaserl …

  2. Schnappi schreibt:

    Geh einfach zum ärztlichen Sozialdienst deines Bezirkes und laß dir dort umsonst so eine Bescheinigung ausstellen. Die Kinder,Impfpässe und die gelben Hefte mitnehmen.Sprechzeiten vorher herausfinden, keine Kita wird doch so blöd sein und die Bescheinigung auch nachreichen lassen können, oder?

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