Franz‘ fünf Minuten (Markus)

Ich hätte gewarnt sein müssen. Während ich mit Helene in der Küche die Pizza mit Champignons und Salami belegte, und Lisa mit Paul bei Nachbarn weilte, war von Franz nichts zu hören. Kein „Papaa, tom mal!“, kein Bagger, der scheppernd aus dem Regal im Kinderzimmer viel. Nichts.

Stille jedoch, das hätte mir bewusst sein müssen, ist gleichbedeutend mit Hyperaktivität im Untergrund. Irgendetwas Nicht-Erlaubtes war im Gange. Wenn ich mich nicht um Franz kümmere, kümmert der sich eben ums Haus. In dieser Phase waren schon Wände bemalt und Eier in der Schublade aufgeschlagen worden.

Erst als die Pizza im Ofen schwitzte, dachte ich wieder an Franz. Wo ist Franz? Und vor allem: Was macht Franz? Helene machte mich darauf aufmerksam, dass im Badezimmer, hinter angelehnter Tür, der Wasserhahn lief. Ich schaute nach. Franz stand auf der Wäschekiste, damit er ans Waschbecken kam. Er hatte Kriegsbemalung aufgelegt: Zahnpastastreifen zogen sich quer über Wangen und Haare. Im Mund hatte er einen Wischmopp. Er sog ihn regelrecht aus. An den Zähnen klebten Haare, die seit Tagen im Wischmopp festgehangen haben mussten. Als er mich sah, funkelten seine Augen. Er spuckte den Wischmopp aus und grinste.

Die Tür des Trockners stand offen. Der Behälter, in dem das Kondenswasser gesammelt wird, fehlte. Sattdessen lag in der Öffnung der grüne Becher aus der Waschmittelkiste nebst – Waschmittel. Franz hatte mehrere Becher mit Waschmittel in das Fach gekippt. Und damit die halb-feuchte Wäsche, die noch im Trockner lag, auch wirklich sauber wird, muss er zuvor den Wischmopp durch die Wäsche gezogen haben – zu erkennen an den Haaren zwischen T-Shirts und Hemden. Haare, wie sie auch zwischen seinen Zähnen klebten.

Die Waschmittelspur schlängelte sich vom Trockner vorbei an der Badewanne bis zum Wäschekorb, auf dem Franz immer noch stand. Seltsam, dass das Klo, sonst bevorzugte Örtlichkeit für außergwöhnliche Badezimmerspäße, außen vor blieb. Franz‘ fünf Minuten waren beendet. Bereitwillig stieg er vom Wäschekorb, schlurfte ins Esszimmer. Er hatte Hunger – auf Pizza.

Advertisements

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
Dieser Beitrag wurde unter Elternalltag abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s