Soja-Matsch (Lisa)

Wissen Sie, wir Mütter aus Prenzlauer Berg, wir trinken ja nur Soja Latte Macchiato. Ach, und, wie ich zudem jetzt noch aus der Zeitschrift EMMA erfahren habe, wir begehen böse postfeministische Fehler.

Indem wir uns auf unsere Männer verlassen!

Die rennen nämlich bei der nächsten Gelegenheit weg, lassen uns allein mit unseren drei Kindern und der Krankenversicherung sitzen. Und dann? Au weia, dann können wir nicht mehr über den „hippen“ Wochenmarkt am Kollwitzplatz schlendern und unseren Kindern laktosefreie Eiscreme aus dem Bio-Anbau kaufen, sondern müssen beim DISCOUNTER einkaufen! Warum? Weil unser Mann uns nicht nur sitzen lässt, sondern weil er auch noch seinen Job kündigt, Rockstar werden will und uns auf Unterhalt verklagt.

Sämtliche oben genannten Klischees entnahm ich einem EINZIGEN Artikel dieser Zeitschrift.

Was uns retten kann, uns arme Mütter vom Prenzlauer Berg? Ein Ehevertrag. Schlage ich meinem Mann direkt mal vor. Der fragt gelangweilt: Trinkst Du Soja Latte Macchiato? Nö. Na, dann ist ja gut. Kein Wunder, dass der Kerl die Frau verlassen hat, wollen wir zum Kollwitzplatz aufn Markt?

Ha, sage ich. In die Falle getappt. Wir sind doch die Klischee-Prenzlauer Berger. Wir gehen heute jedenfalls nicht auf den Wochenmarkt. Wir gehen zum Discounter. Wir kaufen eine Luftgitarre und werden Rockstars, gründen eine Band mit BEIDEN Eltern und den Kids. Demnächst. Jetzt vergesse ich erstmal, dass es mir gerade zu ruhig im Kinderzimmer ist, während ich das hier schreibe. Eigentlich ist längst Mittagsschlafzeit. Aber wenn sie eben so schön spielen. Sitz ich halt mal kurz am Computer.

Sie lachen.

Ich rufe: Was macht ihr?

Sie antworten: Quatsch! und lachen sich kaputt.

Ich frage: Was für einen Quatsch? Solchen, nach dem ich wütend werden könnte?

Und dann kommen sie angerannt, über den Flur, schreiend lachend und strecken mir ihre Hände entgegen, von denen ein kleiner gelb-grüner Matschklumpen auf das G und auf das H meiner Tastatur spritzt. Die drei Herrschaften tropfen vor Spinat-Kartoffelbrei-Matsche. Sie waren am Herd. Sie waren im Kinderzimmer, sie waren an den Gardinen, an meinem Computer. Unsere Wohnung ist gekleistert mit Kartoffelbrei-Spinat-Matsch. Ich stelle alle Kinder mit Klamotten in die Badewanne überhöre ihr Lachen. Ich sage nichts und wünschte, es wäre statt grünem Spinat nur Soja Latte Macchiato gewesen.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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Eine Antwort zu Soja-Matsch (Lisa)

  1. Stephan schreibt:

    Da habt ihr doch schon einen schönen Band-Namen: Mashed Potatoes. Das groovt ja schon aufm Cover

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