Memory (Markus)

Kinder haben ein fantastisches Bildgedächtnis und deshalb ist es aus wissenschaftlicher Sicht nicht verwunderlich, dass sie beim Memory-Spiel besser abschneiden als (ungeübte) Erwachsene. So ist es auch bei uns. Helene im Memory-Spiel zu schlagen, ist nicht mehr möglich. Und das sage ich jetzt nicht aus falschem Stolz. Sie schlägt mich morgens nach dem Aufstelen, abends vor dem Ins-Bett-Gehen und nachmittags, wenn sie gerädert aus dem Kindergarten kommt.

Als ich das erste Mal mit ihr gespielt habe, habe ich ihr noch kleine Tipps gegeben. Als Papa wollte ich natürlich, dass sie gewinnt – anschließend konnte ich Lisa, Oma und Opa stolz erzählen, dass mein erst dreijähriges Töchterlein mich im Memory-Spiel besiegt hatte. Inzwischen ist es Helene, die mir Hinweise gibt, wo – beim „Wald-Memo“ – etwa der zweite Hirschkäfer, der Tannenzapfen oder der Buntspecht liegen. Und sie macht das, während sie ihre Haferflocken herunterschlingt oder ihren Bruder ermahnt, die Spielkarten nicht immer mit Leberwurst zu beschmieren. Sie scheint also gar nicht richtig bei der Sache, gibt mir trotzdem Tipps und schlägt mich am Ende immer.

Gestern habe ich versucht, strategisch zu spielen. Das habe ich in einem Interview mit einem ehemaligen Deutschen Memory-Meister gelesen. Er sagte, es könne helfen, sich das Quadrat, in dem die Memory-Karten liegen, als Koordinatensystem oder auch als Weltkugel vorzustellen. Das Feuerwehrauto liegt dann eben in Japan, der Apfel mit Wurm in Schweden, der Baum in Südafrika.

Es lief gut für mich, ich hatte zum ersten Mal seit gefühlten 24 Jahren eine realistische Chance zu gewinnen. Kurz vor dem Ende ging ich in die Küche und holte Kaffee. Als ich wieder kam, lagen alle noch nicht aufgedeckten Karten auf dem Boden. Helene sagte, Franz hätte sie vom Tisch gewischt. Daran hatte ich meine Zweifel, denn Helene grinste, hob beide Schultern und sagte: „Tja, Papa, wieder nicht gewonnen!“

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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