Bittsteller (Lisa)

Wenn man im langen zähen Januar den Kindern Bücher für drinnen und warme Kleidung für draußen kauft und sich seine Laune dann auch noch mit einem Frisörbesuch und einer Massage aufhellen muss, weil die Sonne sich leider nicht blicken lässt, dann kann so ein Monat auch schon mal teuer werden. Teurer als gedacht jedenfalls.

Und wenn man dann auch noch recht viel zu tun hat und seine EC-Karte im Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn vergisst. Ach herrje. Ich muss für neues Geld jetzt also immer zu einem freundlichen Bankangestellten gehen – so lange, bis ich mich wieder mündig fühlen darf, mit einer eigenen Karte. Heute ging ich mit dem Zwillingswagen in die Filiale, ich ließ meine Mütze auf dem Kopf und sah scheinbar recht müde aus. Ich hatte noch ca. 5 Cent in meinem Portemonnaie. Mehr nicht. So war es wirklich wichtig, an Geld zu kommen.

Ich hatte schon am Morgen beim Online-Banking gesehen, dass die Zahl rot war, die da stand. Wie gesagt, der Monat war teuer. Aber ich war ja schließlich noch nie in den Miesen und es handelte sich jetzt auch nicht um eine große Summe.

Ich bat also den freundlichen Herrn von der Sparkasse, mir etwas Geld zu auszuzahlen.

Geht nicht. Konto überzogen.

Ja, aber. Ich kann meinen Kindern nicht einmal ein Brötchen kaufen. Ich habe noch nie überzogen, ich bekomme ein regelmäßiges Gehalt, bin treue Kundin bei Ihnen. Und Kindergeld bekomme ich ja auch.

Nein, es gibt kein Geld.

Nicht mal 5 Euro?

Nein.

Aber ich habe heute schon Geld von meinem Sparkonto überwiesen, das ist morgen drauf.

Nein.

Mein lieber Herr, dann gehen sie jetzt sofort an das Ersparte meiner Kinder, da gibt es drei Konten.

Sie wollen jetzt nicht ernsthaft an das Ersparte Ihrer Kinder gehen?

Zum Teufel, DOCH. Sie haben Hunger. Schon morgen kommt mein Geld vom Sparkonto und mein Gehalt ist auch in den nächsten Tagen da. Dann geht alles zurück dahin wo es hingehört.

Wie Sie meinen.

Ja, so meine ich das. Geld her und…  Auf Wiedersehen.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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3 Antworten zu Bittsteller (Lisa)

  1. Jens schreibt:

    Klarer Grund, ganz in Ruhe sofort die Bank zu wechseln (inklusive aller Rücklagen), wenn die Zahl wieder schwarz ist. Netterweise hat der Mann ja dafür gesorgt, dass das ganz einfach geht…

  2. Pingback: Tweets that mention Bittsteller (Lisa) « Nusenblaten -- Topsy.com

  3. Sparkassenheinis. Frechheit. Gleich kündigen. Wieso darf der da noch arbeiten? Okay, zu Ost-Zeiten ist gleich mal eine Info an den Betrieb gegangen, wenn das Konto überzogen war (ja, ich erinnere mich genau). Aber im Westen? Unvorstellbar.

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