Nachts um 2.30 Uhr (Markus)

Immer wieder erstaunlich, wie sehr sich die Welt zwischen 2.30 Uhr und 7 Uhr verändert. Letzte Nacht riss mich die Pipi machen wollende Tochter mit „Ich-kann-nichts-sehen“ und „Papa-ich-muss-Pipi“-Genörgel aus dem Tiefschlaf. Ich machte Licht, damit Helene den Weg zum Klo fand und wartete auf das, was immer kommt, wenn unsere Tochter nachts wach wird und mal muss: Die Weigerung, den Weg zurück ins eigene Bett anzutreten.

Ein Ohren quälender Mix aus schrillem Gejaule, lautem Gepolter, weil ein Töpfchen im Weg stand, Mama-Rufen, als kämen sie von der Streckbank, und der im Stehen ausgetragenen Weigerung, das eigene Bett zu benutzen, stattdessen der schreiend vorgetragene Wille, in unser Bett zu wollen.

Mich macht dieses nächtliche Theater einfach fertig. Als hätte ich nicht besseres zu tun, als Helene nachts um 2.30 Uhr davon zu überzeugen, das zu tun, was fast alle tun um diese Zeit: schlafen, Mund halten. In diesem Augenblick des verlorenen Tiefschlafes kommt bei mir alles hoch: Die Nachteile einer eigenen Familie; die eigentlich viel zu kurze Lebenszeit, die ich mit dieser Familie erleben darf; die ewig schreienden Kinder; die nie ins Bett wollenden Kinder, die ewig kranken Kinder. Kurz, nachts um 2.30 Uhr ist das Leben schlecht und schier aussichtslos.

Irgendwann bin ich wieder eingeschlafen. Und als ich um 7 Uhr erwachte, war es still im Zimmer. Lisa schlief, Helene schlief – und das in ihrem Bett. Ich stand auf, kochte Kaffee, holte die Zeitung hoch. Was für eine Idylle. Wie schön das Leben doch mit einer Familie sein kann.

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Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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2 Antworten zu Nachts um 2.30 Uhr (Markus)

  1. Rike schreibt:

    Ich verstehe so sehr, was Du meinst. Hinzu kommt, dass ich mich am Morgen nach diesen Nächten frage, wie ich nachts so böse meckern konnte. In der nächsten Nacht bin ich aber wieder böse.

  2. Kinderforschung Hasenbüchel schreibt:

    Armer Markus in AllNachts-Folter, großes Mitgefühl, weil nicht ganz unbekannt….aber Dein letzter Satz zeigt, dass man gestärkt daraus hervorgeht: Scheiß-Nacht, aber gutes Leben. Oder?

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