Platz 47 (Lisa)

Prenzlauer Berg ist ja sozusagen ein neues Bundesland, ähm, also zumindest gehört es zu einem neuen Bundesland, klingt auch doof, also jedenfalls gehörte Prenzlauer Berg zu den Stadtteilen, die durch eine Mauer von vielen anderen schönen Stadtteilen Berlins und dem Rest Deutschlands getrennt waren. Man erzählt sich, man habe in Prenzlauer Berg etwa 20 Jahre auf ein Auto warten musste, weil das der Sozialismus so vorsah. Also nicht die Warteliste für die Autos, aber die Gleichstellung der Menschen. Vereinfacht gesagt: Wenn eben einer 20 Jahre auf seinen Trabbi warten musste, dann sollten gefälligst alle anderen auch 20 Jahre warten.Alle Menschen sind gleich, alle müssen gleich lang warten.

Nun ist ja doch bereits das ein oder andere Jahr vergangen seit dem Fall der Mauer. Damals tanzten die Menschen auf den Straßen. Dann kamen die „Wessis“ und wollten alles sanieren, was den Ureinwohnern lieb und wichtig war und die Abneigung wuchs. Sie gipfelt zur Zeit in einem Kampf gegen die „Schwaben„, so nennen sie die zugezogenen „Wessis“ hier, weil sie sich an Geiz und Konservativität angeblich nichts nehmen. Dabei hat sich doch gar nicht so viel geändert seit damals.

Ich habe Helene jetzt zu einem Sportkurs anmelden wollen. So ein ganz normales Kindergehüpfe in einer Turnhalle im Winskiez. Auf der Warteliste steht sie auf Platz 47. Wir könnten damit rechnen, in etwa einem Jahr einen Platz zu bekommen, im Januar 2012, sagten mir die Verantwortlichen. Wenn Helene denn dann noch altersmäßig in die Gruppe der Vier- bis Sechsjährigen passe.

Es hat sich wohl doch nicht so viel verändert seit damals.

Fotohinweis: „Schwaben raus“ steht auf dem Parkscheinautomaten. Gesehen in der Chodowieckistraße.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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