Trügerische Ruhe (Markus)

Ruhe und Idylle im Bergischen Land bei Köln stehen in krassem Gegensatz zur lauten Aufgeregtheit in Berlin. Meine Ohren müssen sich an die neue Umgebung erst gewöhnen. Das sanfte Rauschen, das geblieben ist, obwohl wir schon zwei Tage hier sind, ist wohl so eine Art Schutzmechanismus. Methadon für den Gehörgang, um den Übergang von der lauten Stadt aufs leise Land akustisch abzufedern.

Im Bergischen rattert keine Tram, hupt kein Auto und poltert keine Mülltonne, weil es kein Innenhof-Pflaster gibt, über die sie morgens um 6 Uhr von einem Müllmann gezogen werden könnte. Und hier im Bergischen schreit nicht – oder nur sehr selten – das Martinshorn eines Polizei- oder Rettungsfahrzeugs.

Dachte ich, bis mich heute morgen genau das aus dem Schlaf riss. In Berlin werde ich hin und wieder von solchem Lärm geweckt, aber hier, auf dem Land? Polizei und Rettungswagen mussten sich in unmittelbarer Nähe unseres Schlafzimmers aufhalten. Sie mussten sich ihren Weg offenbar mit lautem Tatütata durch den Verkehr bahnen, freikämpfen. Sie schienen nicht recht voran zu kommen. Denn das Geräusch wurde nicht leiser, die Fahrzeuge entfernten sich also nicht. Es blieb seltsam konstant, immer an der gleichen Stelle. Und immer wieder von Neuem. Es waren zwei Fahrzeuge, mindestens. Eine Polizei, ein Krankenwagen. Oh Gott, ein Einsatz direkt vor unserer Haustür. Ein Notfall im Haus?

Kinderlachen aus dem Nebenzimmer, während das Martinshorn immer weiter lärmte. „Tatütata“, rief Franz vergnügt. Und als ich nachschaute, sah ich, wie er immer wieder die Knöpfe seines Plastik-Polizeiautos drückte, während Paul im Bettchen daneben das Feuerwehrauto bediente. Die Jungs hatten sich die Lärmmaschinchen vom Regal neben ihren Bettchen geangelt.

Die Autos waren Nikolausgeschenke, die wir im Dezember bei den Schwiegereltern im Bergischen gelassen hatten.  Ach, hätten wir sie doch mit nach Berlin genommen! Dort, vor der akustischen Großstadt-Kulisse, wäre der Lärm gar nicht weiter aufgefallen – und jetzt hätten wir unsere Ruhe.

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Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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