Lebensretter (Markus)

Wie soll man reagieren, wenn einem die eigene Frau, die gerade mit den Kindern 500 Kilometer entfernt ist, per Chat mitteilt: „Puhhh, mussten grad Paul das Leben retten!“?

Eigentlich kann man gar nicht reagieren, jedenfalls nicht angemessen; mal eben hinfahren ist schwierig, also schrieb ich: „Was war los?“

Paul hatte Mittagsschlaf gemacht, war dann aufgestanden und wollte wohl die Treppe ins Wohnzimmer hinunter gehen. Aber vorher machte er das, was er schon oft versucht hat, um uns zu provozieren: Er steckte seinen Kopf zwischen die S-förmig geschwungenen Holzstäbe des Treppengeländers. Oben ist der Abstand zwischen den Stäben etwas breiter als unten – und das ist das tückische. Oben kommt er mit seinem Kopf durch, unten aber nicht wieder raus.

Paul muss zunächst mehr gelacht als geschrien haben, denn das Babyphone schlug nicht an. Ist ja auch lustig, wenn man wie eine Kuh zwischen den Halterungen am Futtertrog feststeckt. Doch vor Paul lag kein Futter, es tat sich der Abgrund des Treppenhauses auf.

Als er das realisierte, schrie er, was Lisa auf den Plan rief. Oben angekommen, schrie Paul noch mehr. Ím Chat klang das später so: „Haben es mit Waschlappen und Seifen probiert. Ging nichts, da schrie er und wir haben Hansi geholt.“

Hansi ist der Hausmeister, der Handwerker, die gute Seele. Lisa: „Derweil war Franz aufgewacht, lief zu Paul und umarmte ihn von hinten.“ Und weiter: „Helene kam auch und rief immer: Ich kann das nicht haben. Sie hat dann einen Zahnputzbecher mit Wasser geholt für Paul.“

Hansi, inzwischen oben, behielt kühlen Kopf. Gemeinsam mit Lisa hob er Paul vorsichtig hoch bis der Kopf oben wieder durch den Abstand passte. Weit entfernt in Berlin stellte ich mir dieses Geduldsspiel vor, was ich von Pfarrfesten kenne, bei dem man eine Metalllasche an einem Stab so über einen Elektrodraht ziehen muss, dass man ihn links und rechts nicht berührt.

Der Vergleich hinkt natürlich. Und Gott sei Dank war kein Strom auf dem Treppengeländer.

Während Paul kurz nach der Rettung lachte, war seine Schwester auch Stunden danach noch fertig. Lisa: „Da hab‘ ich zu ihr gesagt: Wenn so etwas passiert, trinken Erwachsene einen Schnaps und Kinder essen ein Eis. Jetzt schlecken sie alle.“

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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