Alaaf mit Sahnehäubchen (Lisa)

Heute aufgewacht und zu meinem Mann gesagt: „Du hättest gestern ja wenigstens mal erwähnen können, wie scharf ich aussehe, als ich Dich mit den Kids vom Bahnhof abgeholt haben! Ich habe sicherlich drei Stunden gebraucht, um mich so schick für Dich zu machen.“

Darauf er: „Naja, aber was soll ich denn sagen, wenn meine Frau da plötzlich mit ner Perücke mit blauen geflochtenen langen Zöpfen und Außerirdischen-Kleid vor mir steht?“

Es ist Karneval in Köln und mein Mann ist Westfale.

Und ja, er reist extra zum Karneval aus der Hauptstadt an, das tut er wahrscheinlich mir zuliebe. Denn Karneval muss man im Blut haben um es genießen zu können, oder?

Direkt nach seiner Ankunft sagte er: „Vor mir im Zug, da saßen verkleidete Stewardessen, DAS sah sexy aus. Oder die Frau da eben in ihrem hautengen Fitnesstrainerinnen-Kostüm…“ GEHT DOCH. Gehe ich halt im nächsten Jahr als Flugbegleitertrainerin statt als Außerirdische mit einem Zwillingskinderwagen voller Raubtiere (Paul: Löwe, Franz: Tiger, Helene: Alles und nichts in Rot-Weiß).

Wir holen den Papa also gestern um halb 11 vom Bahnhof, tragen die Kinder samt Wagen im eiskalten, aber prallen Sonnenschein die Treppen vor dem Kölner Dom hoch – allein dafür hat sich doch der vierfache Verkleidungsaufwand schon gelohnt. Und oben angekommen stürzen sich schon die ersten Japaner auf den Zwillingskinderwagen. „Foto machen? Ja?“ Ist ok, knips, knips. Löwe, Tiger: Lachen anknipsen. Nach dem achten Japaner-Foto werden sie langsam lockerer, aber Helene will weiter.

Unser Weg führt uns in die Altstadt am Rhein, wir setzen uns zentral auf eine Wiese, holen Zuckerkrapfen aus der Picknicktüte und betrachten die Weiberfastnachtsmenge. DA! Schneewittchen und der böse Wolf. OH! Eine ganze Herde Schafe. HU! Ein Gespenst. „Ich muss erstmal ankommen hier“, sagt Markus und bekommt von uns einen tollen Köln-Hut auf den Kopf gesetzt. Kann ich verstehen. Wir tanzen seit halb 7 zu Karnevalsmusik, er kommt gard aus dem Flugzeug. Das ist ähnlich wie nach der Geburt eines Kindes. Der Mann steht da plötzlich vor dem schreienden Kind, wir Frauen konnten uns immerhin neun Monate lang vorbereiten. Der Tanz ab halb 7, der ist Pflicht bei uns zum Karnevalsauftakt und das wird auch so bleiben – Markus muss da mitziehen, ob er will oder nicht. Unsere Kinder sind zwar in Berlin geboren, aber das Rheinland sollen sie schon irgendwie eingeimpft bekommen. Mit wem soll ich sonst später feiern gehen? Mit meinem Mann? Altersvorsorge auf Lisa-Art.

Als wir ausreichend durchgefroren sind und nach Hause wollen, weigert sich Helene vehement: „Ich will noch mehr Verrückte sehen“. Ihr blaues Haar verdankt sie einer Spraydose von „Land of Colors“ für 1,99 Euro mit der Aufschrift: „Glitter Blue. Hair and Body Spray“. Die Dose steht noch auf dem Boden, als wir nach Hause kommen. Plötzlich stinkt das ganze Wohnzimmer nach Chemie, Franz lächelt und grinst, ist ganz blau im Gesicht und sagt: „Lecker. Sahne.“

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
Dieser Beitrag wurde unter Feste abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Alaaf mit Sahnehäubchen (Lisa)

  1. Pingback: Für Lisa (Markus) | Nusenblaten

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s