Ach, Berlin (Lisa)

Mein geliebtes Berlin, Du machst es mir schwer.

Da verabschieden wir uns von dem schönsten Ferienhaus des Bergischen Landes nach traumhaften Karnevalstagen, um Dich wiederzusehen. Und du heißt uns mit einer grauen Wolkendecke willkommen zurück. Müde steigen wir nach viereinhalb Stunden ICE-Fahrt in eine Deiner gelben Straßenbahnen, auf dem Rücken jeder einen Rucksack, auf dem Arm je ein Kind, dazu drei Koffer, hungrig. Und dann schießt dieser Straßenbahnfahrer aus seiner Fahrerkabine, tritt wortlos Helenes Rucksack mit dem Fuß zur Seite und grapscht Paul an den Arm. Ich empöre mich: „Entschuldigung, können Sie mal mit uns REDEN?“ Und der nette Herr erwidert: „Na, Sie reden ja ooch nich mit mir.“ Wie bitte? Klar, wir hatten unser Gepäck unklug vor der Fahrerkabine abgestellt. Aber berechtigt das zu so einem Mini-Amok? Kann der Typ nicht einfach sagen: „Tschuldigung, hier muss ich durch, machen Sie Platz“? Wir steigen erbost aus, schleppen Gepäck und Kinder über die riesige Kreuzung Pernzlauer Allee/Danziger Straße und dann geht gar nichts mehr. Erst schreit Paul: „Nis in die Wohnung gehn, is will su Oma surück.“ Und Franz steigt mit ein: „Nein, nis hierhin.“ Sie gehen beide keinen Schritt weiter. Ich sage zu Markus: Oh gott, sie wollen hier nicht hin. Der Straßenbahnfahrer: unfreundlich. Die Straße: voller Bierflaschenscherben. Die Kita: Will is nis hin. Irgendwie schaffen wir es dann doch mit allen in die Wohnung. Als die Tür hinter uns schließt und wir kurz durchatmen, rufen die Kleinen „Kölle Alaaf!“

Berlin, Berlin… jetzt bist du an der Reihe, das wieder gerade zu bügeln.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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Eine Antwort zu Ach, Berlin (Lisa)

  1. Jaegerin schreibt:

    Ach ihr armen köllschen Jungs, ihr wisst es doch: Am Aschermittwoch ist eben alles vorbei …

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