Tanz auf den Drahtseilnerven (Lisa)

Quietscheente in Staub und Dreck: unsere Wanne nach der Müllattacke

Tag 1 nach vier Wochen Berlin-Entzug. Be happy, think positive – mein Motto, um mich nach einer unruhigen Nacht für den Tag zu motivieren. Es ist ja auch nicht Berlin allein schuld, weshalb ich jetzt erst einmal wieder eine Eingewöhnungszeit brauche. Es liegt ja auch daran, dass ich jetzt plötzlich wieder allein mit den Kindern bin. Unsere letzten Wochen bestanden aus Oma-Verwöhnphasen, Opa-Kettcar-Touren und Tanten-Überraschungern, eben aus ganz vielen verschiedenen Menschen, die sich um das Spielen, Kochen, Aufräumen und Bespaßen unserer Bande kümmerten. Jetzt bin ich also wieder als Einzelkämpferin unterwegs. Ich will kein Mitleid. Ich erzähle jetzt nur die objektiven Fakten dieses ersten Tages in der grauen Hölle.

Ich hatte mich eben zu meinem ersten Kaffee hervorgebeugt, um an dem fluffigen Schaum zu nippen, den ich tatsächlich vermisst hatte, da rieche ich verdächtiges. Gut, die Kinder – zumindest die Kleinen – ziehen sich nicht allein aus, ich hatte ihnen eine kleine Nackedei-Party erlaubt, um kurz in Ruhe frühstücken zu können, tja, und das ging dann eben nach hinten los (im wahrsten Sinne des Wortes). Ich säuberte also noch vor meinem ersten Happen das Parkett. Danach war kurz Ruhe. Bis Paul kam:

„Inne Küsse depullert“. Ich sagte, jaja, und dachte nicht weiter dran. Nach diesem fäkelreichen Frühstück ließ ich erst einmal Badewasser einlaufen, um die Kleinen von allem Unheil zu befreien. Aber Mütter müssen ja alles gleichzeitig tun, während das Wasser also gemütlich in die Wanne plätscherte, machte ich mich schon mal ans Koffer auspacken. Danach gings ab in die Wanne. Aber warum schwammen darin riesige Staubfetzen herum?

„Das ist jetzt nicht Euer Ernst, Jungs. Ihr habt nicht das Trocknersieb in der Wanne entleert, sagt, dass das nicht wahr ist…“ Die beiden antworteten im Chor: „Neeeeee.“ Es war nämlich viel schlimmer, das merkte ich, als der erste Q-Tip an ihnen vorbeischwamm. Und aufgeweichte Taschentücher. Sie hatten nicht das Trocknersieb entflust. Sie hatten einfach den gesamten Badezimmer-Müll hineingekippt. Also aussteigen. Durchatmen. Sauber machen.

„Leiter klettern“, riefen sie. Gut, klettert auf die Leiter, schlimmer kann es ja nicht werden. Sie schoben ihre beiden Handwerker-Leitern an den Bücherschrank und es rumste regelmäßig. Da war es mir dann schon egal. Von Pipi und Staubflocken befreit, packte ich mir die beiden für einen kurzen Spaziergang, damit sie nicht noch mehr anstellen konnten. Gerade wollte ich sie in die Lammfelle ihres Kinderwagens setzen, da machte ich wieder kehrt. Vier Wochen sind lang…

Wilde Orgien mussten in diesen Fellen gefeiert worden sein. Von Mäusen. Alles voller Köttel. „Wuuuaaah“, entfuhr es mir. Also ausgeschüttelt und die Schmutzteile auch noch mit in die Chaoswohnung genommen. Der Wäscheberg war mittlerweile höher als ich selbst, bei 1,71 m Körpergröße.  Also etwas leckeres kochen. Puh, mist, da lag ja noch der Pipisee von vorhin. Franz hatte darin kleine Schiffchen aus Kaffeepulver fahren lassen, ein gelb-braunes Wunder. Ich putzte und setzte Essen auf. Es verbrannte. Aber nur von unten, immerhin. Be happy, think positive🙂

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
Dieser Beitrag wurde unter Chaos abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s