Für Steini (Lisa)

Als mein Leben noch „live“ und nicht virtuell standfand, also in der Zeit vor facebook und co., da arbeitete ich noch in einem echten Büro. Also nicht einfach von zu Hause oder von Mallorca aus, mit dem eigenen Laptop, sondern so richtig präsent, mit Kollegen und einem Arbeitsplatz mit Schränkchen und Computer, dessen Bildschirm von crazy Fotos oder Postkarten umrandet wurde.

In dieser Zeit schickten wir uns Witziges aus dem Internet noch per Mail und nicht via twitter. Irgendwann furzte es in unserem Großraumbüro aus einer Ecke. Genauer: Aus Steinis Ecke. Steini war unser Redaktionsoberhäuptling. Die Furzgeräusche vermehrten sich schnell, bald kamen sie aus zwei, drei, vier Ecken. Unwissende rümpften pikiert die Nase, legten die Stirn in Falten. Bei den Wissenden vermischte sich das Kichern mit den omnipräsenten Knattergeräuschen. Bald war die gesamte Redaktion infiziert, es furzte aus allen Ecken und Enden.

Ein Spiel aus dem Internet war schuld. Eines, das aus einer Zeichnung mit mehreren Hunden bestand. Dackel, Pinscher, Terrier. Jeder Hund, über den wir mit unserer Maus fuhren, pupste anders – einer lang, der andere laut usw. Wer das Spiel beherrschte konnte über die Hunde sogar ein furzendes Alle-meine-Entchen zustandebringen.

Irgendwann in dieser Zeit lernte ich in ebenjener Redaktion meinen zukünftigen Mann kennen. Wir waren weit entfernt von Familienplanung und Zukunftsschmiederei, wir lachten über Hundefürze, waren verliebt und träumten von Weltreisen statt über die Kindheitsdichte in Prenzlauer Berg zu philosophieren.

Sieben Jahre ist das jetzt her. Steini ist noch immer der Oberhäuptling in der Redaktion, Markus lacht auch heute noch täglich mit ihm über Schweinereien aus dem Internet während ich seit der Geburt unserer Kinder von zu Hause aus arbeite und nicht mehr Teil dieser obszönen Lachparade bin. Das dachte ich jedenfalls bis gestern nacht.

Alle Kinder schliefen rund um unser Bett verteilt, sie hatten zu viele Gummibärchen gegessen und klagten über Bauchweh. Sie schliefen aber endlich, als wir uns auf den Weg ins Bett machten. Und. Dann. Ging. Es. Los. 

Furrrrrrrrrrz von links.

Pups, Pups von rechts.

Links, rechts.

Furz, Puuuuups und so weiter.

Von allen Seiten wurden wir vollgebläht. Ich meinte sogar irgendwann, ein Alle-meine-Entchen aus den frühkindlichen Hinterlüftchen herauszuhören. Wir fielen fast aus dem Bett vor Lachen. Es war wie früher! Fast. Denn Oberhäuptling Steini fehlte. Und diesmal stank es wirklich.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
Dieser Beitrag wurde unter Elternalltag abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Für Steini (Lisa)

  1. Jaegerin schreibt:

    Mir fehlt der Oberhäuptling auch…

  2. Steini schreibt:

    Danke für die Widmung. Da werden mir ja die Federn in der Oberhäuptlings-Haube pupsrot – vor Scham. Aber war wirklich eine schöne Zeit. Allerdings, wie bemerkt, kann ich heute noch mit meinem Harmi lachen. Vor allem, wenn der ein akustisch prononciertes Realpüpchen lässt.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s