Angstvolles Hochzeiten (Lisa)

Der Freund einer Bekannten ist zum ersten Mal zu Besuch bei uns. Wir sitzen beim Essen am Tisch und Helene (4) beginnt zu diskutieren. Sagt: „Man kann auch unendlich schreien“. Der Gast sagt: „Nee, das geht doch nicht.“ Sie darauf: „Doch, wenn jemand von der Geburt an bis zu seinem Tod schreit, dann ist das so.“ Der Gast lächelt und weiß nichts zu erwidern.

Nach dem Essen legt sich Helene einen lilafarbenen Schleier über die blonden Haare und sagt: „Mama, ich hochzeite heute.“ Ich: „Oh, wen denn?“ Sie: „Franz.“ Der weiß noch gar nichts von seinem Glück, sie greift ihn unsanft an der Hand und will mit ihm zum Wohnzimmertisch-Altar schreiten, da beißt er sie in den Arm und die Hochzeit ist geplatzt. Ab ins Bett also. Im Halbdunkel schreit sie: „Ich hab so eine Angst.“ Ich sage: „Dann nimm Deine Angst jetzt mal in die Hand und wirf sie aus dem Fenster.“ Sie: „Das Fenster ist aber zu.“ Ich öffne also, sie wirft, und die Angst ist aber immer noch ein „ganz kleines bisschen da.“

Sie wirft ein weiteres Mal, die Angst ist weg, die Hochzeit geplatzt und ihr Schreien gottseidank endlich.

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Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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2 Antworten zu Angstvolles Hochzeiten (Lisa)

  1. moebelexperte schreibt:

    Ziemlich außergewöhnliche Bemerkung beim Essen für eine 4-jährige, finde ich. „Unendlich“ ist ein Begriff, über den Kinder sich erst viel Später Gedanken machen. Wahrscheinlich hat sie „ein Faible“ für Sprache?

  2. Umdenken Spirithink oder Gedanken bedenken schreibt:

    Was für bezaubernde Wesen sie doch sind. Ich bin ganz gerührt von Deinem Vorschlag, sie möge doch ihre Angst aus dem Fenster werfen. Wie liebevoll Du mit ihrer Angst umgehst, ganz beeindruckend.

    alles Liebe,
    Olaf

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