Unfallaufregung (Lisa)

Fernsehen finden unsere Kinder uninteressant. Sie wissen gar nicht, dass es einen Kinderkanal gibt. Warum auch? Es gibt genug im „echten“ Leben zu entdecken. Da kam Markus am Freitag von der Arbeit, wir saßen gerade beim Abendessen, da fragte er mich beiläufig: „Hast du von dem schrecklichen Unfall auf der A 19 zwischen Rostock und Berlin gehört?“ Ich wusste von nichts, hatte mit Kochen, Vorlesen, Kinder betüddeln gar keine Zeit gehabt, mich über irgendetwas zu informieren. Er erzählte, da seien etliche Autos ineinandergekracht und plötzlich wurde es still an unserem Esstisch (sehr unüblich!) und alle hörten gebannt zu.

„Gabs da auch Tatütata?“, fragte Paul.

„Ja.“

„Und die Pollezei?“, wollte Franz wissen.

„Die war auch da.“

„Und sinne die Autos alle taputt?“

„Viele ja.“

„Aber wie konnte das passieren?“ wollte Helene wissen.

„Da gab es einen Sandsturm, so dass die Autofahrer nichts mehr sehen konnten.“

Zur Bettzeit waren sie noch immer in heller Aufregung, fuchtelten mit den Händen durch die Luft, sagten „Bumm, Auto putt, bumm, bumm“ und hörten nicht auf zu fragen, wie das nun alles war mit dem Unfall „von Papas Arbeit“. Wir wussten uns nicht mehr zu helfen, bis wir ihnen erlaubten, statt einem Buch im Bett an diesem Abend einmal die Tagesschau mit uns zu schauen. Um Punkt 20 Uhr blickten sie also gebannt auf den Bildschirm. Drei Schlafanzugshosen, nackte Füße guckten unten raus, volle Bäuche und müde Gesichter oben.

„Hier ist das erste deutsche Fernsehen…“ – „Wo isse der Unfall?“ – „… mit der Tagesschau.“

„Tütata-Autos, Pollezei, Feuerwea“ riefen die Kinder, Helene stand auf dem Sofa, die Kleinen rannten an das Gerät und klopften auf die Scheibe. Aber der Bericht war viel zu kurz, um ihre Neugier zu stillen. Seit drei Tagen löchern sie uns nun mit neugierigen Fragen zum „Unfall von Papas Arbeit.“ Die Tagesschau hat sie nur noch neugieriger gemacht.

Wir stellen nun täglich die Szene nach. Mit all unseren Plastikautos, Feuerwehrwagen, Lkw und Traktoren. Dann kippen wir den Spielplatzsand aus den Kinder-Gummistiefeln und spielen Sturm. Nicht als lustiges Spiel mit Witzeln und Lachen, sondern als ernsthaften Unfall mit Sanitätern, die Leben retten. Gestern auf der ersten Autofahrt seit dem Unfall ließen sich die Kinder ohne Proteste anschnallen.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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