Schmachten nach Papa (Lisa)

Meine Kinder müssen einen tollen Papa haben. Gestern war wieder so ein Tag, an dem ich das merkte. Schon morgens früh weinten sie, als die Tür hinter ihm ins Schloss fiel, „Papa nis aabeiten dehn“, riefen sie und winkten am Fenster schmachtend hinter ihm her.

Am Nachmittag holte ich die Drei aus dem Kindergarten ab. Franz brach bei meinem Anblick in Tränen aus. „Is will, dass Papa tommt.“ Dicke Elefantentränchen kullerten ihm über die marmeladenverschmierte Schnute. Er wollte jetzt sofort zu Papas Arbeit gehen. Stattdessen gingen wir nach Hause, jeder durfte seinen Lieblingsjoghurt essen, die Kinder deckten den Tisch. Jeder bekam einen Löffel. Auch Papa. „Papa sitzt neben mir“, sagte Franz voller Sehnsucht, was sofort zu Protesten führte „Nein, neben mir“, rief Paul und ein heißes Wortgefecht begann.

Auch Paul war derweil infiziert vom Papa-Virus. Hin und her, ich, nein ich, nein ich, nein ich. Also die Joghurts weggepackt und die Streithähne getrennt. Ich musste noch etwas im Hof unten holen, die Kinder kamen mit, Paul steuerte geradewegs auf Papas Fahrrad zu. Er griff erst nach dem Lenker – zu hoch. Dann entdeckte er die horizontale Stange des grauen Fahrradrahmens – perfekt. Er streckte die Arme aus, griff mit beiden Händchen danach, beugte die Knie leicht und … begann, in die Windel zu drücken. Ein Geschenk für Papa. Ein Zeichen der puren Entspannung im Gedanken an einen, der ganz toll sein muss – Papa.

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Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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Eine Antwort zu Schmachten nach Papa (Lisa)

  1. moebelexperte schreibt:

    Schööön 🙂

    Ich kenne das von zu Hause. Wenn man als Papa nicht alles falsch macht, ist die beruflich bedingte Abwesenheit ein ziemlicher Verstärker. Man darf als Mama nur nicht den Fehler machen und das falsch werten. Dann kann man sich schnell fragen, was man falsch macht, obwohl man ja „alles macht“ und die Kinder dann trotzdem so oft und intensiv den Papa herbei sehnen. Menschen wollen ja immer das haben, was gerade nicht greifbar ist…
    🙂

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